00:10
Herzlich willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Es ist eine Vollmondnacht, das heißt Zeit für gruselige Geschichten bei uns im Krimi. Mein Name ist Wolfram Möll und bei mir ist eine Frau, die gerade einen Geist gesehen oder eher gehört hat, aber sie steht gar nicht kreidebleich da, sondern eher fröhlich und verzückt. Susanne Jansson.
00:34
Hallo Wolfram, es tut mir leid. Ich weiß, du wünschst dir für Vollmond ein anderes Auftreten von mir. Aber, mein ehrlich, Geisterbeschwörungen gibt es ja auch und die sollen ja genau ein schönes Gefühl hervorrufen, dass man Kontakt aufnimmt zu jemandem, den man verloren hat oder nicht kannte. Und deswegen kann das ja auch eine schöne Begegnung sein. Yay! Eine freudige Gruselfolge.
00:56
Und wem bist du begegnet? Wem begegnen wir in der heutigen Gruselfolge?
00:59
Wir begegnen in der Hörspielvergangenheit.
01:01
Sag mal genau.
01:02
Es ist ein Hörspiel von 56 Februar und spielt in einem Hörspielstudio und zwar im Parcel-Hörspielstudio und es spielen Schauspieler, Schauspielerinnen mit und Hörspielregie und Technik und gerade diese beiden Rollen werden von Joe Adelmann und Hans Hausmann gespielt, die das einfach auch im wahren Leben waren. Also unsere Vorgänger vermischen sich jetzt in einer fiktiven Geschichte mit ihren wahren Stimmen, mit ihren wahren Funktionen. Das ist schon echtes Ranrücken von geisterhafter Vergangenheit ans Jetzt.
01:36
Aber ein schönes.
01:38
Total, wirklich ein besonderer Moment. Wir sprechen ja oft gerade über Hans Hausmann als Miterfinder von Verzähl du das im Ferimer, wo wir heute die fünfte Folge hören. Der Name taucht auch ganz oft an Gesprächen, zum Beispiel mit unseren Kollegen, wenn man über Rechte spricht, über Archivproduktion. Und das ist wirklich das Hörspiel, wo ich ihn zum ersten Mal gehört habe. Das ist dann schon ein besonderer Moment.
02:03
Genau, und ansonsten habt ihr es gerade gehört. Wir sind bei Verzählte das Emferima. Es gibt ja immer Situationen, wo Leute ins Warten geraten, gefangen sind und anfangen sich Gruselgeschichten zu erzählen. Und die heutige Situation ist eben die Aufnahme für ein Hörspiel.
02:17
Kursiert bei uns in der Redaktion mit dem Stempel besonders wertvoll oder besonders unterhaltsam. Eine, die schon öfter wiederholt wurde. Vielleicht hat es auch ein bisschen was Selbstreferenzielles. Wenn du immer so Wartesituationen sagst, Wolfram, ich frage mich, ob in einer der kommenden Ferimar-Folgen irgendwas in einem Wartezimmer mal richtig spielt. Aber hier warten sie wie so oft auf die Technik. Das stimmt. Ja.
02:42
Und ansonsten, du hast schon gesagt, Hausmann hört man, den Techniker hört man und wirklich auch so eine Crème de la Crème der damaligen Schauspielerinnen und Schauspieler, die in Basel so gewirkt haben. Blanche Aubry, Rudi Walter, Rainer Litten. Da könnt ihr euch wirklich auf einen Schauspieler fest freuen. In diesem Sinne, viel Vergnügen bei der fünften Folge von Verzähl du das im Ferimer. Viel Spaß.
03:08
Achtung, bitte, absolute Ruhe. Wir können aufnehmen. Also zuerst Musik, dann auf mein Handzeichen die Ansage und dann gleich weiter erste Szene. Bereit? Okay. Noch schon lange. Also gehen wir, gehen wir, gehen wir. Gut, gut, gut. Dann gut los, also Musik.
03:45
Liebe Hörerinnen und Hörer, wir bringen Ihnen eine neue Folge unheimlicher und unerklärlicher Geschichten unter dem Titel »Verzähl du das im Ferima«. Das Manuskript schrieben Erwin Roth, Otto Lehmann, Hans Häser und Hans Hausmann. Die Musik komponierte Hans Möckel.
04:11
Sie hören in den Hauptrollen Blanche Aubry, Valerie Steinmann, Rainer Litten und Ruedi Walter. Regie führt Hans Hausmann.
04:23
Musik
04:39
Good night, Sylvia.
04:42
Halt, halt, halt, halt. Wer macht denn solchen Blödsinn? Ich habe doch gesagt, es geht nach der Ansage gleich weiter.
04:49
Jetzt können wir noch einmal von vorne anfangen. Wer war denn das?
04:52
Wieso? Was? Hä? Was ist denn?
04:55
Wir haben doch gar nichts gemacht. Was heißt denn nichts gemacht? Jemand von euch hat doch etwas auf Englisch ins Mikrofon geflüsselt und nachher gekichert. Ich habe es doch ganz deutlich gehört. Aber von uns ist es niemand gesehen.
05:04
Du hast wahrscheinlich das falsche Mikrofon aufgedreht. Wir können ja gar nicht Englisch.
05:08
Moment, Moment. Ich komme zu euch ins Studio. Joe, schau doch unterdessen schnell nach, weil bis letztens auf unsere Linie geschaltet worden ist. Jawohl, ich schau gerade.
05:15
Du sein Blödsinn. Jetzt werden wir schon mit der Szene fertig und könnten nach Hause gehen.
05:19
Ja, Kuchen. Schluss müssen wir ja auch noch machen.
05:21
Und überhaupt die ganzen Zwischenszenen? Wir haben ja noch alles gar nicht aufgenommen und erst durchprobiert.
05:26
Also mit nach Hause gehen ist das Vorderhang so ziemlich essig. Scheint so.
05:31
Besonders wenn jetzt noch so ein Engländer dazwischen spukt.
05:33
Engländer spuken immer, das ist doch ihr Haupthobby. Bei dieser Sendung ist es ja auch kein Wunder, dass es irgendwo spukt. So etwas muss ja Gespenster an sich direkt anziehen.
05:41
Ja klar. Am Schluss wird einer von uns dann transparent und verschwindet durch die schalldichte Wand.
05:49
Also, so hört doch auf, mir ist schon so unheimlich genug.
05:52
Ich finde Gespenstergeschichten wunderbar. Als Kind habe ich sie vor dem Einschlafen massenweise verschlungen.
05:58
Good night, Sylvia.
06:01
Na also, na also, Herbert, du warst es. Ach, nun lass doch die Scherze. Du weißt doch, dass wir sowieso schon zu wenig Zeit haben. Jetzt jagst du unseren schwer geprüften Technik auch noch auf Gespenster zu.
06:11
Entschuldige, vielmals, aber ich schwöre dir, ich habe vorhin bei der Aufnahme kein Wort gesagt.
06:15
Ach komm, komm, erzähl mir nichts. Ich habe doch eben ganz deutlich gehört, wie du Good Night Sylvia gesagt hast.
06:19
Ja, aber Sylvia gerade eben erzählt hat, dass ich als Kind vor dem Schlafen immer noch stundenlang Gespenstergeschichten gelesen habe.
06:25
Ach, und wieso hast du denn den genau gleichen Satz gesagt, wie die Stimme vorhin während der Aufnahme?
06:29
Was? Die Stimme hat vorhin auch Good Night Sylvia gesagt?
06:32
Ja, ganz deutlich.
06:34
Habt ihr es denn nicht gehört? Kein Ton. Also effektiv nichts, die Lausse. Ja. Und du hast vorhin während der Aufnahme bestimmt nicht Good Night, Sylvia, ins Mikrofon gehustet, Herbert. Wenn ich es dir doch sage.
06:45
Bitte, die anderen können es ja bezeugen.
06:47
Stimmt.
06:48
Zufällig wirklich nicht. Aber könnten wir jetzt nicht weiter machen.
06:50
Also merkwürdige Kollegialität unter Schauspielern. Aber bitte. Dann muss also Joe weitersuchen. Joe, hast du das Gespenststimmer immer noch drauf oder hast du es schon gefunden?
07:00
Nein, Dominik. Vorderhand höre ich nur noch ein Zeichen auf dem Rutschbecher.
07:04
Oh, merci. Sag mal, geht es auch noch lange, bis wir weitermachen können? Ja, ist nicht.
07:08
Also, wenn ich den Gespänsterkomiker verwitschen habe... Engagieren doch zum Mitmachen, du. Dann haben wir wenigstens einen nächsten Gespenst in der Sendung.
07:14
Also, wenn ihr jetzt nicht sofort aufhört, gehe ich.
07:16
Oh, das wäre aber schade. Ich wollte gerade eine Geschichte aus meinem frühen Leben erzählen. Würde wir doch warten müssen.
07:22
Ich habe ja gar nicht gewusst, dass du ein Seelenwanderer bist, Herbert.
07:25
Das bin ich auch nicht. Mit früherem Leben meine ich nur mein kurzes Gastspiel in einem anständigen Beruf. Ach, du meinst diese Tunnelgeschichte aus Texas oder wo? Nicht gerade Texas, aber Tunnel stimmt. Es ist schade, dass du sie schon kennst.
07:39
Ich kann sie doch nicht mehr... Ach, bitte erzähl sie trotzdem. Ist das eine Gespenstergeschichte?
07:43
Das weiß ich eigentlich bis heute noch nicht so genau. Soll ich erzählen? Ja, klar. Ivan...
07:51
Bitte von mir aus. Wenn ich nachher vor lauter Zähne klappe und die Aufnahme verderbe, dann seid ihr selbst gut.
07:55
Also immer noch besser als Good Night, Silvia. Also los Herbert, mach's kurz, gell?
08:00
Ja, also... Wie gesagt, ich war nicht immer Schauspieler.
08:05
Drum.
08:09
Ich wurde in Amerika geboren und studierte Tiefbauingenieur. Wahrscheinlich aus dem einzigen Grunde, weil mein Vater es auch gewesen war. Ich hieß damals... White...
08:21
Ja, und ihr werdet natürlich nie etwas von der Great North Central and Western Railways gehört haben. Kunststück. Dieser Eisenbahn im amerikanischen Nordwesten ist ja der Schnauf rausgegangen, bevor die Schienen noch fertig verlegt waren. Worauf man beschloss, eine schöne neue Überlandstraße zu bauen. Und eben bei diesem Unternehmen erhielt ich meine erste Stelle.
08:44
Ich wurde zum Bauleitenden Ingenieur ernannt. Das heißt, zuerst hatte ich keinen Bau zu leiten, sondern den Abbruch. Wir mussten die verrosteten Schienen und verfaulten Schwellen aus dem Tracé reißen, denn man wollte die Straße genau gleich führen wie die ehemalige Bahn. Da das meiste Material längst gestohlen worden war, kamen wir schon nach ein paar Tagen auf der alten Endstation an. Der Ort heißt übrigens heute noch Terminus.
09:09
Im sogenannten Station Saloon, einer höchstens noch als Wild-West-Film-Dekoration dritten Ranges verwendbaren Kneipe, neben dem ehemaligen Bahnhof, warteten wir auf die Vermessungsleute, die lange nicht so schnell vorankamen wie wir und vertranken unser bescheidenes Einkommen. Was sollte man in dem elenden Nest doch sonst tun? Schon am zweiten Abend machte ich die ehrenvolle Bekanntschaft von Mr. Styling, dem Postmeister.
09:37
Er war eine Kapazität auf dem Gebiet der Lokal- und vor allen Dingen der Eisenbahngeschichte. Und da ich etwas von Technik zu verstehen schien, hatte er extra für mich einen alten Streckenplan in den Station Salon mitgebracht.
09:52
Ja, stellen Sie sich vor, Mr. White, sogar einen Tunnel haben Sie gebaut. Was? Einen Tunnel? Wo denn?
09:59
Na gleich hier, links vom Bahnhof, in den Berg hinein. Ja, dann ist Terminus also gar nicht die Endstation. Doch. Wim? Das verstehe ich nicht.
10:09
Der Tunnel ist eben nicht mehr fertig geworden. Das ist ein Jammer. Stellen Sie sich vor, dass der Anschluss an die Küstenbahn bis nach Kalifornien vielleicht, was das für ein Reichtum in die Gegend gebracht hätte. Vielleicht gäbe es jetzt sogar eine Hauptpost. Wie weit hinein ist denn der Tunnel gebaut? Vier Meilen ungefähr. Es hat nicht mehr viel gefehlt bis zum Ende. Sie sehen es hier deutlich auf dem Bauplan.
10:37
Ja, und das ist alles noch vorhanden? Viel ist nicht mehr zu sehen. Das Portal ist ganz überwachsen, weil ständig Sickerwasser herausfließen.
10:46
Ich meine nicht das Portal, ich meine den ganzen Tunnel. Innen. War seither nie wieder jemand drin? Doch, er ist immer noch dort.
10:54
Jedes Jahr an Ostern stellt ihm seine Witwe ein Blumenstock vor das Portal. Wessen Witwe? Die meines Amtsvorgängers.
11:15
Ich fragte nicht nach den näheren Umständen des geheimnisvollen Verschwindens des früheren Postmeisters. Mich interessierte die technische Seite, und so nahm ich den Plan über Nacht mit, um ihn zu studieren. Die Sache schien für die damalige Zeit einwandfrei angelegt. Merkwürdig war bloß, dass nur von einer Seite gebaut worden war.
11:35
Der Tunnel hätte im Ganzen etwa fünf Meilen lang werden sollen. Und da ich nichts Besseres zu tun hatte, beschloss ich am nächsten Abend, wenn Mr. Styling seine Postbaracke schloss, mit ihm den Tunnel zu erforschen. Er war begeistert. Einer meiner Leute, der letzte der Bande, der um diese Zeit noch nüchtern war, begleitete uns mit zwei Paar Gummistiefeln bis zum Portal. Wir hatten jeder eine Taschenlampe und der vorsichtige Postmeister sogar noch eine Ersatzbatterie.
12:05
Außerdem schleppte er noch einen großen, offenbar sehr schweren Kasten mit. Proviant, wie er sagte. Er hatte eben an alles gedacht. Der Arbeiter half uns das Gebüsch vor dem Eingang ein wenig weghauen und dann verzog er sich wieder. Überall lagen Steinblöcke herum, einzelne mit kunstvollen Verzierungen im Geschmack der Zeit. Sie hätten offenbar zur Verkleidung des Portals dienen sollen.
12:32
Nach ein paar Metern waren dann Wände und Decke des Tunnels im Innern mit harten Steinblöcken verkleidet. Trotzdem tropfte das Sickerwasser unaufhörlich herunter. Nach ein paar Schritten blieb der Postmeister plötzlich stehen.
12:46
Kleine Hauptproblem ist so weit. Seigen Sie mal, Ihre Lampe. Die scheint ja zu funktionieren. Die Batterie ist zwar ein wenig schwach. Seit wann haben Sie sie denn? Ich weiß nicht. Sie ist aus unserem Material. Na ja, vorderhand reicht sie noch. Es ist besser, wir wechseln die Batterie erst so spät wie möglich. Also los, hinein in das Pioniergrab.
13:17
Eine seltsame Art Humor hatte der Postmeister, ja. Aber ich achtete damals nicht darauf. Ich fand alles furchtbar aufregend.
13:26
Überall lag noch Baugerät herum, halb verfault und verschimmelt, Pickel, Schaufeln, Sandsäcke, alles schön aufgeschichtet, wie wenn im nächsten Augenblick die Arbeiter kämen, um nach kurzem Unterbruch wieder weiterzumachen.
13:40
Wir kamen immer tiefer hinein und schließlich hörte das Gewölbemauerwerk auf. Hier rieselte das Wasser ziemlich bedrohlich von den Wänden und von der Decke. Der gewiegte Postmeister musste es bemerkt haben, dass ich mit etwas gemischten Gefühlen dem dünnen Strahl meiner Taschenlampe folgte. Jedenfalls zog er strahlend eine Flasche aus seiner Hosentasche, rieb das Mundstück mit der Handfläche und reichte mir den Fusel.
14:05
Kleiner Trost in großer Nacht. Danke.
14:14
Verbesser, nicht der Geist in der Flasche. Das hält Leib und Seele zusammen und bringt sogar ein Todmüller auf die Beine. Ein prima, unfehlbarer Stärkungsmittel.
14:31
Erbrot gegen nasse Füße. Über ins feine Sorte von Gummistiefeln führt Ihre Firma, Mr. Weidt. Scheint ein Spezialmodell mit Ventilationslöchern zu sein.
14:42
Warum stehen wir denn noch mitten in einem See? Dort, dort drüben ist es trocken. Wollen wir uns nicht setzen und etwas essen? Tunnelforschen macht hungrig. Okay.
14:59
Also, wo ist Ihr großer Proviant? Moment, Mr. White. Ihre Batterie macht jetzt aber wirklich langsam schlapp.
15:08
Da, nehmen Sie die neue. Danke.
15:13
So, und jetzt wieder zu, fertig. Ja, aber, die funktioniert ja gar nicht.
15:21
Sagen Sie mal, tatsächlich. Merkwürdig ist eine ganz neue Batterie. Vielleicht ist die Birne kaputt. Wieso denn plötzlich? Keine Ahnung. Aber probieren geht überstudieren.
15:35
Schrauben Sie mal die Birne raus. Aber nicht fallen lassen. Wir würden Sie nie mehr finden hier im Dreck.
15:40
Augenblick.
15:42
So.
15:45
Hallo, Mr. Styling. Wieso haben Sie denn Ihre Lampe gelöscht? Wo sind Sie denn?
15:52
Ich sitze ja neben Ihnen. Ich will nur meine Batterie sparen. Kleines Kind, Angst im großen Keller? Ach, Quatsch.
16:01
Achtung. Da ist die Birne.
16:04
Haben Sie sie? Ja, danke.
16:08
Achtung! Steilschlag!
16:16
Das wird ja immer gemütlicher. Na, was ist? Funktioniert die Birne endlich? Mr. Styling!
16:25
Hallo! Wo sind Sie denn? Also machen Sie doch Licht! Geben Sie mir die Birne zurück! Hören Sie nicht, Mr. Styling!
16:35
Seien Sie doch kein Idiot, Mr. Styling! Hallo! Es ist wirklich nicht der Moment für Scherze! Mr. Styling! Sagen Sie doch etwas! Ich finde Ihren Witz großartig! Ich lache ja! So hören Sie doch! Das ist die Schweiz, wie dreckiges...
17:03
Putzt die meine Schweine! Ich schieße sie über den Haufen!
17:09
Dreckskerl! Eine ekelhafte Situation war das. Aber irgendetwas musste geschehen. So machte ich mich schließlich auf den Rückweg.
17:38
Ich kam nur langsam vorwärts. Der Boden war ziemlich glitschig und ich musste verdammt aufpassen, dass mir die Stiefel in dem Morass nicht stecken blieben.
17:47
Mr. Styling! Sie schweigen!
17:53
Sie regnen!
17:57
Mit der Zeit gab ich diese Schreierei auf. Ich hatte die Orientierung vollständig verloren und schleppte mich gedankenlos vorwärts. Das heißt, ein Gedanke schoss mir plötzlich durch das Hirn. Wer würde mir diese Geschichte glauben? Das gab es doch gar nicht. Ein Mensch aus Fleisch und Blut konnte sich doch nicht einfach in nichts auflösen. Und würde man nicht sagen, ich hätte Mr. Styling umgebracht und im Tunnel vergraben? Der kalte Schweiß schoss mir aus den Poren.
18:26
Mr. Spine!
18:30
Unvermutet stand ich im Freien. Es war immer noch Nacht, ob schon ich gemeint hatte, ich hätte Stunden in dem verdammten Tunnel verbracht. Ich zwängte mich durch das Gebüsch und dann hörte ich hinter mir ein Rieseln von Geröll, dann ein Brechen und Rumpeln und Bonnern.
18:54
Das Portal war zusammengestürzt und hatte den Eingang komplett zugeschüttet.
19:16
Sie haben auch Glück gehabt, Mister, dass ich ausgerechnet heute so spät dran bin. Gewöhnlich fährt um diese Zeit kein Mensch durch diese gottverlassene Gegend. Wo wollen Sie eigentlich hin?
19:29
Ja, ich weiß nicht. So weit wie möglich. Also weit das bis zur nächsten Bahnstation kann ich sie nicht bringen. Ich habe da zu tun. Oh, das genügt vollkommen. Ich kann ja dann... Sieh, hören Sie, ich möchte nicht aufträglich sein, aber wo kommen Sie eigentlich her? Gummistiefeln von oben bis unten voll Dreck und...
19:51
Nass wie eine soffene Pudel, haben Sie etwa in dem alten Tunnel nach Höhlenzeichnungen gesucht. Dann haben Sie Pech gehabt, das hat nämlich keine.
20:03
Wieso? Ich meine, kennen Sie denn den Tunnel?
20:08
Und ob ich den kenne? Dem dreckigen Loch verdanke ich ein freies Leben.
20:13
Ja, ich... Sind Sie etwa auch aus Terminus?
20:16
Ich war es, Mister. Ich war es. Ich hatte sogar eine sehr angesehene Stellung in dem Nest.
20:25
So, was waren Sie denn?
20:29
Postmeister.
20:43
Ein Postmeister kommt selten allein. Jedenfalls war ich froh, dass ich in der Eisenbahn saß und nach Hause fuhr. Nach Terminus ging ich nicht mehr zurück. Ich suchte mir eine andere Stelle und vergaß die ganze Geschichte schließlich fast. Bis ich eines Tages zufällig mit dem Wagen durch die Gegend fuhr.
21:01
Die Überlandstraße war inzwischen gebaut worden und man kam ganz nahe am ehemaligen Tunneleingang vorbei. Ich hielt an und stieg aus. Der Schutt war weggeräumt worden und man hatte das Portal notdürftig mit Brettern zugenagelt. Das Sickerwasser rieselte freundlich glucksend unter den Steinen hervor. Ich wollte schon wieder gehen, als mir seitlich des Portals in der Felswand eine kleine Bronzeplatte auffiel. Ich trat hinzu und hörte mich dann selbst laut lesen.
21:30
Hier ruht Herbert White Ingenieur, er hat das schönste Grab im ganzen Land, denn seine Treue und sein Mut waren grenzenlos, gewidmet von seinem Freund Peter Styling, Postmeister.
22:00
Was darf's denn sein, Mister?
22:02
Oh, äh, Sie haben doch sicher den Postmeister gekannt, Peter Styling.
22:07
Natürlich, ich kenne hier alle. Ich bin ja schließlich der einzige Salonbesitzer im Umkreis von 120 Meilen.
22:15
Mein Name ist White, Herbert White. Ich bin vor ungefähr zwei Jahren sehr oft in diesem Lokal gewesen, als wir die Eisenbahnschienen und die Schwellen... Ah, Sie sind das.
22:25
Willkommen unter den Lebenden.
22:28
Und ob ich Peter Styling gekannt habe. Wir haben uns eure Geschichte alle bis zum Überdruss anhören müssen. Aber in einem Punkt war er diskret. Da hat er nur mich ins Vertrauen gezogen. Vielleicht, weil ich hier bald der Einzige bin, der sein bisschen Verdienst besser anzulegen weiß als auf der Postsparkasse. Nach ca.
22:46
einer Stunde kannte ich endlich des Rätsels Lösungen. Der Postmeister hatte auf den Tunnel ausgekundschaftet. Zuerst aus rein technischem Interesse.
22:57
Aber sein Vorgänger, der dort auf geheimnisvolle Art verschwunden war, brachte ihn auf die Idee, unter Zeugen ebenfalls zu verduften, aber dann mit der ganzen Postsparkasse. Daher das Proviantpaket. Als Zeuge kam ich ihm mit meiner Neugier natürlich wie gerufen.
23:15
Dank seiner Kenntnisse der Anlage fand er den Ausgang ohne Schwierigkeiten, während ich stundenlang in dem Loch herum irrte. Er hoffte, ich werde die Geschichte unheimlich genug ausmalen, um alle Nachforschungen vorerst zu verzögern. Mit allem hatte er gerechnet, nur nicht mit dem Einsturz des Portals. Das war ihm doch zu viel. Er legte die Postkasse still wieder in den Tresor, erschien wieder auf der Bildfläche und sparte von da an fleißig für die Bronzetafel am Tunneleingang.
23:45
Verstehen Sie jetzt?
23:46
Ja, jetzt verstehe ich natürlich alles. Aber wo ist er? Ich möchte mich doch gerne für meinen Grabstein bedanken.
23:54
Also, wenn Sie jetzt rechts bei der neuen Tankstelle vorbeigehen, kommen Sie direkt zum kleinen Friedhof.
24:01
Was?
24:02
Mr. Styling ist... Oh, er war ja nicht mehr der Jüngste. Aber er hat einen sehr schönen Grabstein. Einen Felsblock mit einer Bronzetafel dran.
24:14
Was? Und was steht denn darauf?
24:17
Das kann ich Ihnen genau sagen. Hier ruht Peter Styling, Postmeister. Er hat das schönste Grab im ganzen Land, denn seine Treue und sein Mut waren grenzenlos. Gewidmet von seinem Freund Herbert White, Ingenieur.
24:55
Ja und daraufhin bist du also Schauspieler geworden? Ja.
25:00
Was, das finden Sie schön? Ich finde es grauenhaft. Und außerdem ist es sicher gar nicht wahr.
25:05
Beruhig dich, Yvonne. Herbert hat mir die Geschichte schon mindestens 17 Mal erzählt. 16. Na, mit heute 17. Und jedes Mal die gleiche Pointe. Bei Herberts sprichwörtliche Vergesslichkeit ist das erstaunlich. Also muss sie wahr sein.
25:16
Das ist noch lange kein Beweis.
25:17
Bitte, bitte, ja, ich bin gar nicht so vergesslich. So, so, ach nein. Dabei muss man jedes Mal froh sein, wenn du überhaupt zur Mikrofonprobe da bist. Sogar wenn du eine Stunde zu spät kommst, weil du sie vergessen hast.
25:27
Das ist nicht Vergesslichkeit, das ist chronische Arbeitsschöne. So, jetzt erzähle ich die Geschichte nie wieder.
25:34
Deswegen habe ich jetzt doch bei jedem Tunnel Angst, dass mir...
25:37
Ein Gespenst begegnet? Ausgeschlossen. Die haben ja Angst vor dir.
25:41
Oh, Max, du bist ein Frechling.
25:43
Du weißt ja gar nicht... Hallo, hallo, hallo, Kinder, seid doch friedlich. Komm, Yvonne, wir wollen ja schließlich eine Aufnahme machen. Also bitte vergessen wir Herbert's Gespenstergeschichte und wenden wir uns den Unsigen zu. Äh, hallo, Joe, können wir...
25:57
Nein, leider noch nicht ganz. Ich habe die Gehebertsicherei immer noch drauf. Ja, Gott, Fritz, wie lange geht denn das noch? Keine Ahnung. Aber der Engländer, der Good Night, Sylvia, sagt, der ist nicht mehr drauf.
26:07
Nein, das nicht.
26:08
Das ist wenigstens etwas.
26:10
Also geht's euch halt weiter.
26:11
Okay. Und was machen wir?
26:13
Wir schlachen nichts. Es sei denn, Herbert erzählt uns noch eine Geschichte.
26:17
Selbst wenn ich eine wüsste, dächte ich nicht daran. Ich bin böse mit euch. Jö, wie schade.
26:24
Gott sei Dank, man soll mit solchen Dingen nicht spielen, wenn man selbst einmal so etwas... Was, Sie wissen, auch eine Geschichte? Wunderbar.
26:31
Yvonne, das hätte ich nicht von dir gedacht. Los, erzähle. Ich bin ja gespannt, ob dir deine Geschichte besser gefällt als meine.
26:39
Darum handelt es sich jetzt gar nicht. Und es ist auch gar keine Geschichte. Und ich erzähle sie auf keinen Fall.
26:44
Yvonne, sei doch nicht so.
26:45
Bitte, Sie müssen.
26:47
Bitte, bitte.
26:48
Also gut. Aber nur, wenn ihr mir versprecht, dass ihr mich nachher nicht auslacht. Ich bin nämlich weder hysterisch noch...
26:54
Wer sagt denn das? Herbert. Na?
26:57
Bitte, ihr könnt es mir glauben oder nicht. Es ist trotzdem wahr. Ich... Ich hatte einmal einen Freund.
27:06
Einen. Also, Marx, also entweder ihr lasst Ivan jetzt erzählen oder ich schicke euch den Engländer mit guten Eid Silvia auf den Hals. Ja. Also komm, Ivan, bitte. Wie war das mit deinem Freund?
27:17
Ja, ähm...
27:19
Eigentlich war er Chemiker, hatte aber immer eine unbezähmbare Liebe zu Afrika, Expeditionen, Großwildjagden und Abenteuern. Als ich ihn kennenlernte, war er schon dreimal dort gewesen und schwärmte mir Tag und Nacht von diesem Land vor. Man sagt ja, wen Afrika einmal gepackt habe, den lasse es nicht mehr los. Nun also, Maxim, so hieß er, überredete mich schließlich, drei Monate Urlaub zu nehmen, und mit ihm auf eine sogenannte Safari im Gebiet des Eduardsees in Zentralafrika zu kommen.
27:54
Es sollte so quasi unsere Vorhochzeitsreise werden. Wir schlugen unser Standquartier in einem größeren Dorf namens Chiavignonge oder so ähnlich auf. Dort wohnte nämlich ein gewisser Monsieur Fasten, ein belgischer Siedler, den Maxim von früher her kannte.
28:10
Und schon am ersten Abend saßen wir nach einem für afrikanische Verhältnisse ausgezeichneten Nachtessen auf der Terrasse und unterhielten uns über unsere Pläne. Maxim war blendendster Laune.
28:22
Wundervoll, Yvonne. Diese Stimmung nach Sonnenuntergang, nicht?
28:27
Schau, dort am Seeufer, massenhaft Flusspferde, sozusagen vor der Türe. Und dazu diese aufreizenden Tamtams. Herrlich einfach.
28:35
Genauso, wie du es dir gewünscht hast, nicht wahr, Maxim?
28:39
Die Begeisterung lebt sich, Mademoiselle Yvonne. Whisky.
28:43
Nein, nein, nicht für mich, bitte. Ich habe schon jetzt einen ganz heißen Kopf.
28:48
Sieh, Maxim, Alkohol desinfiziert die Eingeweife.
28:52
Gern, wenn Sie erlauben.
28:56
Zum Wohl, Maxim. Und Weidmannsheil. Zum Wohl. Und Weidmannsdank.
29:02
Zum Wohl, ihr Helden.
29:05
Sagen Sie mal, Maxim, könnten Sie mir vielleicht etwas Chinin dalassen? Mein Vorrat ist ausgegangen und in Beni war leider auch keines aufzutreiben, als ich das letzte Mal dort war.
29:16
Aber selbstverständlich, Monsieur Fausten, Maxim. Wir können doch gut eine Schachtel entbären. Glaubst du nicht?
29:21
Natürlich. In 14 Tagen sind wir wieder zurück in Stanleyville.
29:24
Ich bin so kribbelig, ich weiß gar nicht. Vielleicht Malaria, vielleicht auch diese Vollmondnächte. Die verfluchten Tamtams. Tamtams? Die sind doch verstummt, wenn ich mich nicht irre. Ja, tatsächlich. Ja. Was soll denn das bedeuten? Gewöhnlich trommeln Sie bis gegen Mitternacht.
29:48
Wie spät ist es denn?
29:50
Es geht gegen halb neun. Still. Hören Sie etwas?
29:56
Ja. Aber sehr entfernt.
29:58
Eine einzelne Trommel? Afrikanische Nachrichtenübermittlung.
30:02
Oh, und was soll das bedeuten?
30:05
Wenn ich das wüsste, noch keinem Weisen ist es gelungen, diese geheimnisvolle Telegrafensprache zu ergründen.
30:14
Ohren haben die Burschen. Aus dem Lärm heraus haben sie die Trommel aus Ischango gehört. Wie aufregend. Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen, die ans Unglaubliche grenzen.
30:28
Erschrecken Sie nicht, Mademoiselle. Das sind Hyänen. Auch daran gewöhnt man sich. Fragen Sie doch Ihren Boy, was da telegrafiert wird. Wenn er es sagt.
30:37
Bitte fragen Sie ihn doch.
30:38
Also geht, versuchen wir es mal. Okay. Was hieß, was sagt er? Verfluchte Schweinerei. Es ist gut, dass Sie da sind, Maxim. Sie können uns einen Gefallen tun. Ja, mit dem größten Vergnügen. Hoffen wir es.
30:57
Was ist denn?
30:59
Da haben sie ihr afrikanisches Paradies. Ein Löwe ist in Ischango und hat dort einen Mann gerissen.
31:07
Den zweiten innerhalb weniger Tage. Ein Man-Eater?
31:10
Ja, scheint so. Müsst ihr fasten, das ist deine Aufgabe für mich. Mein erster Löwe, ein Man-Eater. Ich werde sie von diesem Untier befreien. Hoffentlich.
31:19
Nein, geh nicht, Maxim, geh nicht, geh nicht.
31:20
Aber Yvonne, was ist denn? Seit wann bist du ängstlich?
31:23
Geh nicht, Maxim, ich bitte dich. Geh nicht, ich weiß, es geschieht sonst ein Unglück.
31:26
Herr Ungespinst, Yvonne. Komm, trink einen Schluck. Du hast Fieber. Leg dich schlafen.
31:32
Wenn du mich liebst, Maxim, bitte gehen. Ich geh.
31:34
Das ist die Chance, Mademoiselle Yvonne.
31:49
Ich wusste selbst nicht recht, warum ich Maxim unbedingt abzuhalten versuchte. Schließlich waren wir ja zur Jagd hergekommen. Aber irgendwie hatte ich einfach das Gefühl, dass Gefahr drohte.
32:00
Die ganze Nacht wälzte ich mich unruhig in Schweiß gebadet hin und her und erst gegen morgen wurde ich etwas ruhiger. Wir frühstückten um 8 Uhr. Maxim hatte seine Gewehre bereitgelegt und wir warteten auf Monsieur Fasten. Aber es zeigte sich, dass er nicht mitgehen konnte. Er lag mit einem starken Malariaanfall im Bett und ich beschloss zu seiner Pflege da zu bleiben. Maxim war einverstanden und und versprach mir, bis spätestens zum anderen Mittag wieder zurück zu sein, gleichgültig, ob er Erfolg gehabt hatte oder nicht.
32:33
Guten Morgen. Nanu.
32:34
Was? Und Sie sind doch aufgestanden, Schuferisten? Wie geht's Ihnen denn?
32:39
Klapprig, wie einem alten Ziegenbock. Mein Schädel brummt entsetzlich. Schade, dass ich Sie nicht begleiten kann, Maxim. Ja, sehr schade. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Ich werde schon fertig mit dem Burschen. Also, der Wagen steht bereit, der Boyer ist informiert. Decken und Campmaterial sind auf dem Wagen.
32:56
Eben zur Wasser und Proviant.
32:58
Bis spätestens morgen Mittag bin ich wieder hier. Machen Sie sich keine Gedanken um mich, Monsieur Fasten. Und schlucken Sie tüchtig hin hin. Sie sehen ja aus wie das Gespenst von Camterville. Dazu bin ich wohl doch noch etwas zu körperlich. Na sehen Sie. Dann also auf Wiedersehen. Eine Krankenschwester haben Sie ja. Was für eine hübsche. Bonne Chance. Wiedersehen, Yvonne.
33:20
Yvonne. Yvonne, nimm dich doch zusammen.
33:23
Ich kann nichts dafür.
33:26
Yvonne. Auf Wiedersehen.
33:29
Also, auf morgen Mittag.
33:34
Auf morgen Mittag. Auf morgen Mittag. Yvonne.
34:00
Ich wartete den ganzen Tag. Der Wind kam vom Fluss her und wenn Maxim geschossen hätte, hätte ich es hören müssen. Aber nichts geschah. Fasten lag auf seinem Felsbett und wurde vom Fieber geschüttelt. Schließlich brach die Nacht herein, wie der gewohnten Abruptheit der Trogen. Ich ließ mir das Nachtessen auf der Terrasse servieren und lauschte weiter angestrengt auf einen Schuss von Maxim. Ich hatte schreckliche Angsten.
34:31
Yvonne.
34:33
Aber Sie fasten, haben Sie mich jetzt erschreckt?
34:35
Wieso? Dachten Sie, es wäre vielleicht Maxim? Keine Angst, er kommt nicht so schnell zurück.
34:40
Aber Sie sind doch krank, Monsieur Fasten.
34:41
Sie haben Fieber und sollten nicht... Ach, wissen Sie, an das gewöhnt man sich hier mit der Zeit. Natürlich ist ein Malarian für keine reine Freude, aber... Es gibt so etwas wie Routine.
34:50
Aber dann hätten Sie ja Maxim begleiten können.
34:53
Natürlich, aber ich wollte nicht.
34:55
Warum um Gottes Willen? Maxim ist kein so routinierter Jäger, wie er meint. Oh, wenn ihm etwas geschieht, sind Sie schuld.
35:02
Das weiß ich, aber es ist mir egal. Ich wollte bei Ihnen bleiben um jeden Preis. Ich liebe Sie, Yvonne. Ich liebe Sie mehr als mein Leben. Bitte, bitte bleiben Sie bei mir. Heiraten Sie mich. Maxim wird sowieso nicht mehr zurückkehren. Yvonne!
35:14
Lassen Sie mich, ich möchte fasten. Lassen Sie mich. Maxim!
35:36
Es gab eine scheußliche Szene. Aber schließlich beruhigte sich Monsieur Fasten und ließ sich schweißüberströmend von seinem Boy zu Bett bringen. Auch ich legte mich hin, aber an Schlafen war natürlich nicht zu denken. Die Nacht verging schleichend langsam. Aber dann musste ich doch eingenickt sein, denn plötzlich fuhr ich erschreckt aus einem grauenhaften Albtraum auf. Ich hatte Maxim gesehen, ganz deutlich, wie er am Rande eines Dornbusches lag, halb zerfleischt von den Franken eines riesigen alten Löwen.
36:06
Ich sah auf meine Uhr. Es war genau Mitternacht. Endlich dämmerte der Morgen. Fasten stand bereits vor dem Haus, anscheinend etwas erholt und wieder ganz normal.
36:19
Er machte mir den Vorschlag, mit dem Wagen nach Ischango zu fahren, um nach Maxim zu sehen. Ich war wie erlöst. Um halb acht Uhr fuhren wir los und ließen uns über den Fluss setzen. Wir hatten eben die letzte Steigung vor dem Dorf genommen.
36:33
Da...
36:38
Zum Teufel!
36:39
Was ist los?
36:41
So merkwürdig.
36:42
Was ist merkwürdig?
36:44
Kein Mensch im Dorf.
36:46
Vielleicht schlafen Sie noch.
36:48
Unmöglich. Die Weiber müssten doch Maniok stampfen vor den Hütten. Es brennen keine Feuer, nichts.
36:56
Glauben Sie, dass vielleicht etwas... Nein, nein, nein.
36:57
Passiert ist sicher nichts. Warten Sie. Geben Sie mir mal den Feldstecher.
37:08
Das ist merkwürdig. Alles ist ruhig.
37:11
Nein. Sehen Sie dort.
37:13
Wo?
37:13
Bei der äußersten Hütte rechts. Ja, es winkt jemand. Was fragen Sie?
37:21
Wo der weiße Mann sei.
37:22
Was sagt er?
37:27
Ich kann es nicht richtig verstehen. Er schreit irgendwas von einem Löwen.
37:29
Gottes Willen, dort.
37:31
Schauen Sie dort. Wo? Gegen den Fluss zu. Schauen Sie, ein Löwe. Ruhig, Blut.
37:37
Wo ist Maxim?
37:38
Erschrecken Sie nicht, wenn ich schieße.
37:41
Sehen Sie doch, Maxim. Er geht auf den Löwen zu.
37:46
Schießen Sie nicht, Wasten! Maxim! Maxim!
37:51
Rufen Sie nicht! Lassen Sie ihn!
37:53
Nicht schießen Sie, Wasten! Maxim ist in Ihrer Schusslinie!
37:56
Maxim! Halten Sie sich links! Der Löwe! Er hört nicht! Er hört wieder!
37:59
Er geht geradewegs auf den Löwen zu! Zum Teufel, Maxim!
38:03
Sehen Sie denn nicht?
38:04
Der Löwe duckt sich! Er sitzt dann zum Sprung! Oh, Maxim!
38:10
Es ist höchste Zeit. Der Löwe liegt.
38:17
Bleiben Sie, wo Sie sind, Ivan. Kommen Sie nicht, bevor ich Sie rufe.
38:21
Wo ist Maxim?
38:23
Er verschwand hinter dem Dornbusch, eben als der Löwe zum Sprung ansetzte. Sie können kommen, Ivan. Der Löwe ist tot.
38:34
Maxim! Maxim!
38:39
Ich hatte es mir gedacht. Ein alter Knabe mit schadhaftem Gebiss. Das muss der Man-Eater sein.
38:46
Aber wo ist Maxim? Warum kommt er nicht? Sie haben ihn erschossen. Sie mördern.
38:53
Dummes Zeug. Gehen Sie nicht zum Busch. Vielleicht hat es weitere Löwen dort. Yvonne, warten Sie doch.
38:59
Maxim!
39:01
Was ist?
39:04
Oh, Maxim.
39:07
Um Gottes Willen.
39:11
Ist er tot?
39:14
Ja. Aber schon mindestens seit Mitternacht.
39:37
Leider kann ich in dem Fall nicht gut sagen, dass mir die Geschichte gefallen hat.
39:41
Yvonne, ich nehme alles zurück, was ich gesagt habe und behaupte das Gegenteil.
39:46
Ach hör, aber du bist ein Trampel. Das Einzige, was uns Yvonne zugute halten kann, ist, dass wir nicht gelacht haben.
39:50
Das wäre ja noch schöner gewesen. Da hättet ihr mich aber kennenlernen können.
39:54
Gott sei Dank, sie wird wieder frach. Na gut, also in diesem Fall könnten wir vielleicht weitermachen.
40:03
Mit Geschichten erzählen, oh ja, bitte.
40:05
Nein, nein, nein, nein, nein, mein Liebes, mit Arbeiten.
40:07
Du Schweizer, du kannst immer nur ans Arbeiten denken, aber von Geschichten hast du keine Ahnung.
40:12
Nein, ich habe nämlich schon genug an den Geschichten, die mir die Schauspieler manchmal machen. Nur keine anti-eidgenössischen Verleumdungen. Wenn ich wollte... Ja, halt stopp, Max. Nein, also wir müssen tatsächlich weitermachen. Sonst gehen unsere eigenen Geschichten nie über den Sender. Joe? Hallo, Joe? Joe, wo bist du? Hallo?
40:32
Siehste, einer ist schon verschwunden. Der Nächste bist du.
40:37
Okay, das ist so ein Verzwig.
40:39
Nimm's nicht tragisch. Verschwinne ist einer der wirkungsvollsten Abgänge.
40:42
Ja, vielleicht beim Fernsehen, aber im Radio.
40:44
Das sei doch nett, lass uns doch eine Geschichte erzählen, bis du den Techniker gefunden hast.
40:49
Na, also schön, mir ist schon alles egal. Aber weiß denn überhaupt noch jemand eine? Jawohl, das ist schön.
40:55
Was du magst, Herr Jetsch?
40:57
Das ist sicher ein ganz fauler Witz. Einem waschechten Ur-Schweizer passieren doch keine übernatürlichen Dinge.
41:03
In eurer Nüchternheit und Sachlichkeit?
41:06
Nein, das meint man. Dabei haben wir Berggeister angroben. Und Gespensterhäuser in jeder besseren Stadt und... Mach doch nicht so lange.
41:16
Beweise uns armen Ausländern, dass die Schweiz kein Holzwoden fürs Surrealismus ist.
41:21
Max, nimm die Zimmer. Keine Angst.
41:23
Dabei beginnt es so prosaisch wie nur möglich. Nämlich im Militärdienst. Es war im Juni vor drei Jahren.
41:31
Wir waren wieder einmal zum WK eingerückt und standen in mehr schlecht als recht ausgerichteten Vierkolonnen auf dem Schulhausplatz irgendeines Luftkurortes in der Innerschweiz, um ein paar goldene Worte unseres Häuptlings entgegenzunehmen.
41:57
Ferner mache ich Sie noch auf die Befehle betreffend Geheimhaltung aufmerksam, die Ihnen ja alle bekannt sind. Schlussendlich wünsche ich, dass mit der Zivilbevölkerung in einem korrekten Ton verkehrt wird, damit unsere Basler Truppe überall, wo sie herkommt, ihren guten Ruf bewahrt. Kompanie, Achtung, Tütt! Schulter, Gürt! Beifuss, Gürt!
42:27
Na, wir haben noch drei Wochen Zeit, Gott sei Dank. Kompanie! Und! Feldweibel, Sie übernehmen Kompanie. Befehle, Herr Hauptmann, die Herren Zugführer zu mir. Führer rechts!
42:43
Das Kantonement der Mannschaft befand sich in der Turnhalle. Die Zimmerunterkünfte für Offiziere und sonstige Begünstigte waren auf Gasthäuser und Privatwohnungen verteilt. Zu diesen Begünstigten gehörte ich zwar von Reglements wegen nicht, aber da ich und mein Freund Mille Meier auch dieses Jahr als Büroordonanzen abkommandiert waren, fanden wir eine Spezialbehandlung absolut angebracht.
43:10
Jetzt gibt's halt das Jahr auch mal keine Extra-Brotwurst für die Herren. Und überhaupt, es wird, ich denke, kein Zacken aus der Kronen fallen, wenn er auch wieder mal auf dem Straub füsse wie die anderen auch.
43:20
Kommt, Ullmann, Straub. Wenn ich das Wort nur gehöre, kriege ich schon an der Kühe stehen.
43:26
Fäule Post. Hör mal, fällt sich, wie wäre das, wenn wir selber etwas suchen wollen?
43:31
Können wir lange suchen, es ist alles ausverkauft. Ich meine ja nur, wenn.
43:35
Der Wart denkt dagegen, nichts einzuwenden, oder?
43:40
Also machten wir uns sofort nach dem Abtreten auf die Zimmersuche.
43:52
Aber es war tatsächlich nirgends mehr etwas zu wollen. Nur ein einsames Haus am Waldrand, etwas ausserhalb des Dorfes, stand offensichtlich leer. Aber Türen und Läden waren fest zu und es schien kein Mensch zu Hause zu sein. Da beschlossen wir, in der einzigen kleinen Wirtschaft zum Bären bei einem Glas Wein den Wirt zu fragen, der ja sicherlich jeden Hosenknopf im ganzen Dorf erkannte.
44:17
Schwer zu raten. Bei den Leuten, die ich wusste, war der Feldweibel auch schon. Und das müsste doch in der Nähe sein und nicht eine halbe Stunde weit zu laufen. Eine halbe Stunde schon nicht.
44:28
Aber ein paar Minuten draussen am Dorf macht auch nichts. Apropos, wer wohnt eigentlich in diesem Haus am Waldrandäne? Ist auch dort nichts zu machen. Was für ein Haus!
44:37
hat gerade auf der ähneren Seite der Matte hinter dem Schiessstand. Ja so, das Krakenweiseshaus. Nein, dort ist nichts zu machen. Das steht leer. Ja, was heisst leer? Nicht einmal Nester? Oh, mal. Peter hätte schon dort, aber... Also, mehr wollen wir ja gar nicht. Da fragen wir doch einfach den Besitzer. Das kann ich dir nicht gut fragen. Warum nicht? Ist er verreist? Nein, verreist ist er nicht. Oder mal. Aber nicht so, wie ihr meint. Ist er gestochen?
45:09
Vielleicht wäre es ein Wähler, er wäre es. Er ist drum. Ja, nun, es ist schliesslich kein Geheimnis. Er ist drum im Zuchthaus. Oh, pardon. Ja, danach können wir ihn allerdings nicht folgen. Was, was, äh, was hat er? Das ist eine alte Geschichte. Zechen Jahre ist es hier, dass sie ihn eingesperrt haben. Wegen Mord an seinem Nachbuer.
45:44
Aber was kann zwei tapfere Vaterlandsverteidiger schon abschrecken, wenn es um eine weiche Schlafgelegenheit geht? Dr. Fehlmann, Skrakewiesis Amtsvormund, erwies sich sogar zugänglicher, als wir befürchtet hatten und übergab uns schließlich feierlich einen rostigen Hausschlüssel. Der Feldweibel war äußerst schlechter Laune und beschäftigte uns bis nach 10 Uhr.
46:11
Dann tranken wir uns noch mit einem oder zweihalben Litern den nötigen Mut an und machten uns schließlich auf den Weg zu unserer makabren Herberge. Im Schatten neben dem Haus war es stockfinster, trotzdem der Mond beinahe voll war.
46:29
Du magst, zünd doch mal die Funseln an. Du müsst doch nicht mit Hausdöse sein. Oh, mein Bären. Morgen nehme ich die Stahlüte mit. Was hängt denn da Blöds an der Wand? Zünd doch mal. Ah ja.
46:47
Voila, eine Sänse. Was denn sonst?
46:52
Eine Sänse.
46:54
Mit dieser kann ich dich aber nicht mehr rasieren. So viel Rost an einem Stück gibt es ja gar nichts. Höchstens sind die im Karabin.
47:04
Mach jetzt gerne da rum ein Sprichchen. Komm da, ich tüsse dir. Mach mal den Schlüssel dir. Ja, schon, schon bereit. Jetzt gehört sie. Abkommen, Schwanzengs.
47:20
Das Schlüsselloch ist natürlich weder mal viel zu klein.
47:25
Geben wir mal mehr, die Nullschütze.
47:27
Was heißt Nullschütze, he?
47:29
So, hast du gesehen. Und jetzt drehen. Dreht.
47:39
Bravo.
47:46
Sehr gut.
47:47
Sehr gut. Und drinnen waren wir.
47:49
Ein Geruch von alten Kleidern und schimmligem Leder empfing uns. Wir standen in einem engen Gang, an dessen Ende eine Treppe zu sein schien. Unsere Ordnanzschuhe dröhnten viel zu laut in dem toten stillen Haus. Willer, der mit seiner Taschenlampe vorausging, blieb plötzlich mit einem Ruch stehen.
48:11
Du, Max, du staut einen.
48:21
Es war nur ein Kleiderständer, an dem ein speckiger Filzhut und ein schmutziger Kittel hingen. Bei unserem Alkoholgehalt war es wirklich höchste Zeit zum Schlafengehen. Gleich die erste Türe ging in eine Schlafkammer, in der zwei Betten standen, zwar ohne Bettzeug, aber immerhin mit Matratzen und Wolldecken.
48:48
Wir zogen uns halbwegs aus, krochen unter die muffigen Decken und schliefen sofort ein.
49:22
Wollen wir los? Wegen deines Mäßes in der Nacht. Ist nicht so laut. Los doch. Was ist das? Das Fetzteil in die Zänse. Ja, ist denn schon morgen? Quatsch. Er hat ja erst gerade zwölf geschlagen. Spassige Geselle. Schau mal schauen, das Spinnbrüter mal an.
49:55
Mit einiger Mühe gelang es uns, die Jalousiebretter leise so weit schräg zu drücken, dass wir hinuntersehen konnten.
50:04
In diesem Moment verstummte das Wetzgeräusch. Und nach wenigen Sekunden kam ein Mann mit geschulterter Sense hinter der Hausecke hervor. Im hellen Mondschein konnten wir jede Einzelheit deutlich erkennen. Seine bloßen Füße steckten in Holzsandalen. Die dunkle, steife Hose reichte kaum bis zu den Knöcheln. Den Oberkörper deckte ein Hirtenhemd. Am Rand der Wiese blieb er stehen, holte mit der Sense zum Schwung aus und begann zu mähen.
50:34
Plötzlich packte mich Milla hart am Handgelenk.
50:38
Max? Was? Schau mal genau. Ich sehe nichts. Ja eben, ich auch nicht.
50:46
Du, was soll ich denn sehen? Wo steht der Mond?
50:52
Er denkt gerade du vis-à-vis. Er scheint einmal an unser Fenster an. Also, und warum hat er noch den Georg da unten, den Schatten?
51:18
Ein paar Sekunden blickten wir starr, ohne zu atmen, auf den ruhig weitermähenden Bauern und auf den hellen Fleck, wo eigentlich ein schwarzer Schatten liegen sollte. Dann schlossen wir langsam wie in stillschweigender Übereinkunft die Läden und schlichen wortlos zu unseren Betten. Milla hatte sich bald wieder gefasst.
51:36
Du Dicke, ich glaub mir sind beide voll. Komm, wir gehen am Küsschen losen.
51:43
Tschau.
51:47
Und wirklich, wir schliefen sofort wieder ein. Am anderen Morgen vermieden wir es zunächst, beide geflissentlich von dem nächtlichen Spuk zu sprechen. Keiner wollte sich vor dem anderen blamieren. Erst als wir die Haustüre hinter uns geschlossen hatten, meinte Mille trocken.
52:05
Komm, wir wollen mal gneissen, wie viel dein Nachtwahn für gestern geschafft hat.
52:10
Wir bogen um die Hausecke und da lag die Wiese grünleuchtend in der Morgensonne. Das Gras stand mindestens einen halben Meter hoch. Kein Halm war gemäht. Musik Es blieb uns nichts anderes übrig, als den ganzen Spuk dem Wein zuzuschreiben. Aber so recht wohl war keinem von uns bei dieser Version. Zu deutlich hatten wir gesehen und gehört, wie der schattenlose Mann mähte.
52:43
Auf alle Fälle beschlossen wir, gleich nach dem Mittagessen dem Wirt noch ein wenig auf den Zahn zu fühlen.
52:49
So, da war eben Kaffee. Der Wirt kommt gerade wieder. Er hat noch geschwimmen müssen in den Keller runter. Und? Wie habt ihr geschlafen auf der Streiwi?
53:01
Ja, Streiwi. Einen feutalen Schlag haben wir gehabt in der Villa Waldrand.
53:07
Aber da kommt man in das Krakenweises Haus.
53:10
Genau dort. Und die Hände haben wir wieder einen munteren Rehlein.
53:14
Und nie verwacht.
53:15
Ja, warum sollte man verwacht sein?
53:18
Ich meine nur so. Es ist halt... Ja, nein, ich wette, dass ich das nie gesagt habe.
53:23
Ja, also hören Sie, jetzt müssen Sie schon noch ein paar Buchstaben hüsten. Zuerst sollten wir mitten in der Nacht verwachen und noch, wenn Sie nichts gesagt haben, ja schliesslich sind wir doch ausgewachsene Vaterlandsverteidiger und keine Hävel in Schülern.
53:36
Ja, ich weiss, nein, wenn nicht.
53:38
Ja, der Nof, erzählen wir Ihnen eventuell auch, dass wir tatsächlich verwacht sind. Weil so ein verrückter Gehebsnacht um 12 Uhr ist am Maien. Dranruhe, Bsepp. Ah, Sie wissen es also.
53:51
Sagen Sie, Hat denn der am Tag keine Zeit?
53:55
Am Tag? Sepp schon nicht. Das ist doch gar kein. Ja, ich meine, ein Derrick kenne ich doch am Tag gar nicht.
54:03
Was, Derrick? Wer ist der andere Hübseppi?
54:05
He, eben der, der von der Kragenweise ermordet wurde.
54:21
Inzwischen war der Wirt aus dem Keller heraufgekommen und erzählte uns die ganze Geschichte. Anderhub, Skrackens Nachbar, habe angeblich ein ererbtes Recht an die Wiese vor dem Skrackenhaus gehabt, das ihn jedoch Skracken streitig machte. Aber Anderhub habe kurzerhand während Skrackens Abwesenheit die Wiese gemäht und das Gras heimgefahren. Skracken klagte und der Prozess zog sich ein Jahr lang hin, bis die Wiese wieder schnittreif war.
54:50
Da drohte Zkraken, wenn er ihm noch einmal das Gras stehle, mache er ihn kalt. Anderhub nahm die Drohung offenbar nicht ernst. Jedenfalls kam er in einer Juninacht und begann zu mähen. Zkraken erwachte und ging hinunter. Was dann geschah, weiß niemand genau. Anderhub wurde am Morgen mit durchstochenem Hals gefunden. Neben ihm lag die blutbefleckte Sense. Zkraken wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.
55:21
Und seither ist es um das Krakenhaus immer recht hier. Im Mond heiteren Nächten im Brachet hat schon mehr als einer gehört, als vor dem Krakenhaus gemeint worden ist. Merci. Und da soll man in Ruhe gönnen pausen.
55:34
Was heisst pausen? Jetzt passen wir heute Nacht erst recht auf. Und mit halb Liter ist doch noch nichts. Es nimmt mich doch Wunder, ob wir ein Gespenkster gesehen, wenn wir nicht voll sind.
55:43
Du, mir kommt eine grandiose Idee. Wer weiss, wenn wir das Mädchen vorher mahnen würden. Meinst du, der Jüngling, der die Augen macht? Was meinen Sie, Herr Wirt?
55:54
Ja, ich weiss nicht recht. Zuschlag meint, dass Gräschen erst Eis schneiden lassen, wenn im Brachter voll Mond rum ist.
56:04
Lass ihn sein! Was könnt ihr sonst nicht so rauskommen, wenn ihr meinet?
56:08
Ja, wieso? Man soll doch froh sein, wenn er wieder heimkommt und bis um eins rumgespänkstert.
56:14
Also ich, ich will dir da nicht dazu geraten haben. Aber man kann ja nie wissen. Vielleicht habt ihr recht. Vielleicht hilft das der armen Seele zur Ruhe.
56:25
Nun brauchte es nicht mehr viel, bis der Wirt auf unsere Bitte das Nötige veranlasste. Gegen ein gutes Trinkgeld fand sich der Wegnecht bereit, die Wiese am Nachmittag zu mähen und das Gras zum Gemeindesilo zu fahren. Wir gingen früh schlafen, stellten aber den Wecker auf Mitternacht.
56:49
Bist du verrückt worden? Stell doch das Idiot an! Nicht so lügt!
56:59
Es schlägt zwölf. Und noch? Ja, so wie geht. Psst, es kommt jemand. Nein, es ist nicht. Doch, es kommt.
57:32
Er ist wieder gegangen. Wer? Er war echt, du Doppel. Blöd. Er war doch nur einer, der aus den Beiz heimgeht. Vielleicht kommt er heute gar nicht. Komm, wir gehen doch wieder einen hinblättern. Ja, nein, heute ist... Jetzt sind wir mal wach, jetzt können wir auch noch ein bisschen warten. Zu Befehl, Herr Oberstkorbskommandant.
57:56
Wir warteten.
58:00
Es schlug ein Viertel. Wir warteten. Es schlug halb. Den Dreiviertelschlag hörten wir nicht mehr. Wir waren auf unseren Stühlen am Fenster eingenickt.
58:40
Zahnse.
58:52
Er kam mit geschulterter Sense, genau wie in der vorigen Nacht, die Holzsandalen, die kurze dunkle Hose, das weiße Hirtenhemd, und wieder schien der Mond durch ihn hindurch und warf keinen Schatten. Er trat an den Rand der Wiese, nahm die Sense von der Schulter und hielt inne.
59:12
Er schien auf die gemähte Wiese zu blicken. Minutenlang rührte er kein Glied. Dann wandte er sich gegen das Haus. Wir sahen seinen erloschenen Blick, der langsam Fenster um Fenster abtastete, bis er zu uns heraufstarrte. Plötzlich ging ein Ruck durch seine Gestalt, er drehte sich um und ging der Hausecke zu, die Sense in der Hand.
59:41
Hast du es durchgeschlossen? Natürlich habe ich es. Zweimal umgedrückt. Der Schlüssel steckt inwendig.
59:55
Hat man bis zuerst geschlossen? Jetzt haben wir den Dreck. Wo ist der Karabiner? Gerade hier im Ecke. Mission! Haben wir ihn doch abgegeben. Überhaupt auf einen Geist. Das ist Wurst. Was kann ich ja wissen? Warte, ich habe noch einen Laden rein, meine stille Reserve. Und das ist cool. Gib doch den Karst, für was haben wir ihn denn noch? Mein Präsier. Zum Schuss. Fertig.
60:40
Da muss ich blieb' noch drei Schietz!
60:55
Mit dem Einurschlag war es totenstill. Ich zündete die Taschenlampe an und richtete sie gegen die Tür. Sie war zu wie vorher. Kein Sprung, kein Splitter, nur in Brusthöhe ein kleines Loch, der Einschuss der Gewehrkugel.
61:11
Zögernd öffneten wir. Still und leer lag der Gang vor uns. Vorsichtig stiegen wir die Treppe hinab, ging den Korridoren lang. Nichts. Die Haustür war verschlossen, der Schlüssel steckte. Etwas mutiger traten wir ins Freie und sahen uns um. Die Sense hing nicht mehr an der Wand. Sie war verschwunden.
61:33
Musik
61:47
Studio Basel des Schweizerischen Landessenders Büro Münster. Der erste Teil unseres Mittagskonzerts ist beendet. Sind jetzt stille. Nachrichten kommen. Bevor wir Ihnen das Zeitzeichen vermitteln, noch eine Meldung der Kantonspolizei Mitwalden.
62:14
Der gestern Nachmittag entsprungene Sträfling Skracken Alois wurde kurz nach 1 Uhr nachts ermordet aufgefunden. Er wies eine klaffende Wunde am Hals auf. Neben dem Toten lag eine rostige, blutbefleckte Sense.
62:34
Musik
62:48
Max, ich überreiche dir hiermit das Gespenst der Ehrenbürgerrecht.
62:53
Merci. Also, ich muss sagen, alle Achtung. Ich hätte nie gedacht, dass einem Schweizer Soldaten solche Dinge passieren könnten.
63:01
Ja, ja.
63:05
Aber Max, wie kann man denn zwei Oben hintereinander so voll sein? Du trinkst doch sonst gar nicht.
63:10
Deswegen wahrscheinlich. Er verträgt es halt nicht, der Kleine.
63:13
Ja, ja, grinset jetzt nur. Auf jeden Fall haben der Mille und ich selber Mittagessen schlank wegsupponiert.
63:18
Genau, also das darfst du im Weg haben. Kein Einzelfall darstellen, auch ohne Gespenst. Aber wo bleibt denn unser Wundertechniker? Also Kinder, ich gehe schnell nach, ob wir jetzt endlich aufnehmen können.
63:28
Nein, bitte noch nicht.
63:30
Wieso? Hast du Angst, ich finde unseren technischen Schutzengel in den Klauen von Frankenstein Junior?
63:35
Das wäre doch wenigstens aufregend. Ich habe nur Angst, du willst gleich wieder arbeiten.
63:39
Das will ich auch, du Unschuldslamm.
63:41
Na eben, siehst du. Und dann komme ich zu kurz.
63:43
Wieso? Du hast doch eine sehr schöne Rolle.
63:44
Ja, aber ich hätte doch eine viel schönere Geschichte.
63:47
Naja, aber jetzt mach keine Geschichten. Warst du auch?
63:50
Ja, natürlich, ich bin doch Spezialistin. Ich habe doch gesagt, dass ich als Kind ganze Bibliotheken voll Gespenstergeschichten verschlungen habe. Ja, Moment, Moment, Moment.
63:58
Das gilt nicht. Wir haben alle selbsterlebte Geschichten erzählt. Einfach gelesenes Nacherzählen, das kann jeder.
64:05
Nacherzählen diese Geschichte haben mein Bruder, der erst noch Herbert heißt, wie du und ich selbst erlebt. Und wo hat es ihr Bruder gelesen? Nee.
64:12
Also wenn er Herbert heißt, dann muss schon etwas Wahres dran sein. Also das sehe ich jetzt wieder nicht.
64:17
Also darf ich erzählen, ja oder nein?
64:19
Also bitte. Aber sobald Joe in der Regiekabine mit dem gefundenen Gespenst auftaucht, wird gearbeitet, auch wenn du knapp vor der Pointe stehst.
64:25
Das ist unfair, die anderen haben auch fertig erzählt.
64:27
Du fang doch lieber an. So, wenn ich die technische Schwierigkeit den Punkt der Gespenster kenne, wäre ich noch gut fertig.
64:33
Aber bitte, nicht zu unheimlichem. Denken Sie an meinen Heimweg.
64:37
Ich begleite dich, Yvonne.
64:39
Das meine ich ja.
64:41
Also Ruhe, Ruhe. Die Gespensterspezialistin Silvia erzählt.
64:46
Vielen Dank, Herr Refuseur.
64:47
Bitte.
64:49
Also, ihr wisst es vielleicht nicht. Aber ich wuchs mit meinem Bruder Herbert in England auf. Das habe ich nie gehört.
64:56
Das ist ja das Neueste.
64:58
Jawohl, sogar in einem ehemaligen Pfarrhaus in der Nähe von Windsor. Das romantische alte Riegelhaus im Tudor-Stil war nur durch eine Brücke über das schmale Flüsschen zu erreichen. Auf der anderen Seite dehnte sich ein weites Moor.
65:19
Als ich ungefähr 15 Jahre alt war, verkauften meine Eltern leider das Haus und zogen in die Schweiz. Ich muss noch hinzufügen, dass das Haus, wie alle anständigen alleinstehenden englischen Pfarrhäuser, seine Gespenster hatte. Mein Bruder und ich waren am Anfang in der Nacht oft durch seltsame Geräusche gestört worden.
65:46
Aber mit der Zeit gewöhnten wir uns so sehr daran, dass wir nicht einmal mehr erwachten, wenn die ehemalige Pfarrstochter Sylvia Hamilton Jones, kurz Jones genannt, die ihren Vater, den Reverend Arthur Hamilton Jones, zum Silvester 1693 im Kamin geröstet hatte, selig durch die Halle stöhnte.
66:12
Im Gegenteil. In der ersten Zeit in der Schweiz konnte ich überhaupt nicht einschlafen, wenn mein Bruder nicht vor meiner Türe mit Hilfe eines Trichters im Tone von Reverend Hamilton Shones »Goodnight, Sylvia« röchelte.
66:25
»Goodnight, Sylvia«.
66:29
Als wir ein paar Jahre später im Herbst nach England in die Ferien fuhren, konnten mein Bruder Herbert und ich es kaum erwarten, das alte Pfarrhaus im Moor bei Windsor zu besuchen. Im Städtchen erfuhren wir, dass es seit unserem Wegzug nicht mehr bewohnt gewesen war. Also konnten wir es in Ruhe besichtigen und alte Erinnerungen auffrischen.
66:54
Es war eine jener nebligen und regnerischen Nächte, wie sie zu einem richtigen englischen Herbst gehören. Der Wind fegte die Wolkenfetzen über das Moor und der Regen peitschte gegen das morsche Gemäuer.
67:13
Leider war die alte Brücke über das Flüsschen eingestürzt und wir hatten einige Mühe, bis wir auf großen Umwegen endlich zum Haus kamen.
67:22
Ach Silvia, das ist doch eine zauberhafte alte Hütte. Besonders bei dem Regen. Was kaufe ich mir für den ganzen Vierwaldstättersee bei Föhnsturm, wenn ich das hier haben kann?
67:32
Du kannst es eben nicht haben, leider. Es ist wunderbar.
67:35
Wart es nur, ab eines Tages wohne ich wieder hier.
67:38
Wollen wir nicht hineingehen?
67:39
Ja klar, los.
67:41
Du, wir haben ja keinen Schlüssel.
67:42
Aber Silvia, du weißt doch ganz genau, dass das Schloss seit 1732 in Folge Berührens mit blutigen Händen verrostet ist. Man kann es gar nicht schließen.
67:52
Natürlich, wie schnell man die selbstverständlichsten Dinge vergisst. Also kommt.
68:16
Na, also, Edmund der Kicherer ist immer noch frisch und munter, wie in alten Zeiten.
68:20
Gott sei Dank.
68:22
Aber wo sind wohl die anderen? Biddy, Biddy, Buddy und Jones?
68:26
Keine Ahnung. Wie spät ist es denn?
68:29
Wenn sich nichts geändert hat, erst sieben vor zwölf. Edmund war immer ein Einzelgänger.
68:34
Stimmt. Ein typisch asoziales Gespenst.
68:39
Komm, wir gehen auf die Galerie hinter das Bild von Reverend Hamilton Jones mit den Löchern. Von dort sieht man sie am besten, wenn sie um Mitternacht durch den Kamin kommen.
68:47
Ausgezeichnet, los.
68:53
So dunkel war es aber früher hier nie.
68:55
Doch, natürlich. Warte doch, bis die kleine Jones auftaucht. Wenn die strahlt, sie ist doch genug.
69:04
Gut, dass Edmund seinen Uhrenkomplex hat. Wer würde sonst das Ding jede Nacht aufziehen?
69:08
Sie kommen. Merkwürdig. Vom Moor direkt durch die Wand. Irgendetwas stimmt nicht.
69:15
Aber Jones leuchtet wie immer. Das ist beruhigend.
69:18
Achtung, Sie setzen sich. Biddy führt den Vorsitz wie gewohnt. Sieht bekümmert aus, der alte Knabe.
69:25
Sei doch still.
69:26
Meine Damen und Herren.
69:32
Erlaubt mir heute unsere gewohnte Fröhlichkeit für einmal zu durchbrechen, um euch zu sagen, dass unsere Existenz auf das Schwerste bedroht ist. Betty hat recht, so geht es nicht weiter. Ich danke dir, Betty, wie es es einem mit fühlender Brust im Kreise der hohlen Schemen.
69:54
It's a long way to Tipperary.
69:57
Sei still, Jones, sei still.
70:00
Ich werde dir sonst ein wöchentliches Auftreten in der Kaserne von Olderjot verbieten. Man lässt mich nie, wenn ich mal... Also es geht, wie gesagt, um unsere aller Existenz. Um die Existenz eines der ältest eingesessenen Gespenstergeschlecht der Britannien.
70:18
Und Schottlands. Ich stamme mütterlicherseits von Maria Stewart ab.
70:22
Ist ja gar nicht wahr.
70:24
Und Sträume.
70:25
Ruhe, Ruhe. Also es ist an sich schlicht und einfach. um uns, um Midi, Betty, Buddy und Jones. Seit mehreren Jahren spugen wir Nacht für Nacht feucht-fröhlich in diesem Gemäuer vor uns hin, ohne dass eine lebende Seele davon Kenntnis nimmt. Es ist uns trotz unserer Tradition nicht gelungen, neue Mieter für dieses Haus anzulocken. Und wenn wir nicht schleunigst eine Lösung finden, Bange ich ernstlich um unser Dasein?
70:58
Warum ziehen wir denn nicht um? In der Kaserne von Oldershot hatte so viele Leute.
71:03
Sei nicht frivol, Jones. Du weißt genau, dass wir das nicht können. Dein einmaliges wöchentliches Gastspiel ist eine Ausnahmevergünstigung unseres Aufsichtsrates zur Hebung der Truppenmoral. Nein. Nein.
71:20
Wir sind an dieses Haus gebunden.
71:23
Vielleicht könnten wir wieder einmal am Tag zusätzlich ein paar Stunden spucken für die Touristen.
71:30
Das haben wir ja schon versucht. Aber dann bist du auf die gloriose Idee verfallen, die Brücke kaputt zu machen, als gerade eine Abordnung ehemaliger Verehrerinnen von Ramon Novaro draufstand.
71:46
Seitdem kommt kein Aas mehr. Wir müssen uns Modernisieren. Was? Wir müssen mit der Zeit gehen. Auf Leintücher, die im Keller husten, mit Kronleuchtern um sich schmeißen und mit Wetschmutgeschirr oder am bestenfalls Totenköpfen Fußball spielen, fehlt heute auch der harmloseste Mitteleuropäer nicht mehr herein.
72:06
Aber wir können doch unsere überlieferten Traditionen Nicht so mir nichts, dir nichts über Bord werfen.
72:14
Aber wegen Publikumsmangel uns ins Nichts auflösen, das können wir.
72:18
Buddy, Buddy, ihr habt recht. Unsere Methoden haben dringend eine Auffrischung nötig. Denkt an die fliegenden Teller.
72:25
Kommt ein Teller.
72:26
Tut mir ernst, wenn ich bitten darf. Also gut, ich beuge mich schweren Herzens, euren Modernisierungstendenzen.
72:40
Und bitte um konkrete Vorschläge.
72:43
Wir gründen eine Band. Eine was? Eine Jazzband. Hörst du denn nie Radio? AFN zum Beispiel. Stan Kenton, Billy May, Spike Jones.
72:53
Ein entfernder Vetter von mir.
72:55
Ich muss ehrlich gestehen, ich habe keine Ahnung, von was du sprichst, Betty.
73:00
Also, also dann pass auf. Jones hat einen Apparat unter ihrem Leichenhemd. Ein erstklassiges amerikanisches Armeemodell. Leg los, Jones.
73:09
Okay, Buddy.
73:18
Das ist ja grauenvoll.
73:19
Musik
73:48
Zuerst gab es einen riesen Krach, weil Bidi die Musik scheußlich fand. Schließlich konnten ihn aber die anderen drei überzeugen, dass das ja der Zweck der Übung sei. Das leuchtete ihm ein und als es ein Uhr schlug, war die Band bereits gegründet. Biddy trieb sogar eigenhändig eine alte Viola da Gamba auf, Baddy setzte sich ans Spinett und Buddy versprach, morgen im Vorbeihuschen in Eton College ein komplettes Schlagzeug mitzunehmen und Jones zupfte elegant auf einer laute Heinrichs des Achten.
74:32
Herbert und ich saßen natürlich in den folgenden Nächten immer pünktlich auf unserer Galerie und beobachteten das wilde Treiben. Die Nachtsendungen von AFN wurden abgehört, eigene Arrangements wurden geschrieben, weil ihnen alles zu wenig unheimlich klang und dann wurde geübt, dass der Gips tonnenweise von der Decke rieselte.
75:10
Also ich muss sagen, gar nicht schlecht, wenn es auch den Traditionen widerspricht. Nur bei Ziffer 13.
75:17
Ich möchte ein Solo haben, bitte.
75:20
Spiel du lieber nicht dauernd falsch. Nur bei Ziffer 13.
75:24
Meine Herrschaften, meine Herren, darf ich schüchtern bemerken, dass mir etwas auffällt?
75:29
Ach nein. Was denn?
75:30
Seit wann fällt denn dir etwas auf? Wie lange machen wir den Krach jetzt schon?
75:36
Es handelt sich hier um Musik und nicht um Krach, du Banausengespenst.
75:40
Von mir aus. Also wie lange?
75:43
Circa eine Woche, glaube ich. Ja.
75:45
Ganz genau sogar. Und hat sich in dieser Zeit auch nur eine nachtwandelnde alte Lehrerin von uns erschüttern lassen?
75:54
Ja, eigentlich nicht, aber... Alles Neue muss sich eben erst durchsetzen, Patty.
76:00
Ich habe ja gesagt, ich müsste ein Solo haben. Dann fallen die Leute scharenweise in Ohnmacht.
76:05
Ja, vor Lachen. Außerdem müssten sie zuerst da sein.
76:12
Barty hat leider recht. Allerdings.
76:15
Also wenn ich einen Solo hätte. Du kriegst dein Solo. Was? Oh, fein.
76:21
Aber nicht so, wie du denkst. Sondern? Du heiratest, ziehst mit deinem Mann in dieses Haus und wir haben einen Abnehmer für unseren Spuk. Voila!
76:33
Juppie! Entschuldige, aber das geht dann doch ein bisschen zu weit.
76:37
Wieso? Ihr wollt mir nur nichts gönnen.
76:40
Wie willst du denn einen Mann für Jones finden? Sehr einfach.
76:43
Wir geben ein Inserat auf. In der Times natürlich.
76:46
Moment, Moment. Diskutieren wir morgen weiter. Es ist gleich 1 Uhr und Ziffer 13 stimmt noch gar nicht. Schnell noch einmal von Ziffer 13 an.
76:59
1, 2, 1, 2, 3.
77:28
In der nächsten Nacht einigten sie sich dann sehr schnell. Besonders Jones war Feuer und Flamme. Und kurz vor eins hatten sie eine wunderschöne Heiratsannonce beisammen.
77:39
Silenzium. Ich lese vor. Elbisches weibliches Wesen. Sucht in Folge Einsamkeitsmüdigkeit. Quatsch!
77:49
Wesen, der ewigen Einsamkeit müde, sucht, muss es essen.
77:56
Ruhe, Ruhe, das kostet doch wieder mehr. Das können wir uns nicht leisten.
78:02
Also, infolge Einsamkeitsmüdigkeit gleichgestimmtes männliches Schämen.
78:08
Nein, ich will einen richtigen. Kein Schämen. Da habe ich an euch schon genug.
78:14
Wollt ihr endlich still sein? Sei froh, wenn ihr überhaupt einen bekommt schon. Also, männliche Schämen. Zwecks Zusammenlegung der geistigen Interessen. Alter Landsitz mit Inhalt vorhanden.
78:30
Das kann man wohl sagen.
78:32
Zuschriften unter Biddy, Biddy, Buddy und Jones an die Redaktion. Na, was sagt ihr?
78:41
Großartig!
78:42
Prima!
78:42
Grandios! Direkt poetisch!
78:46
One, two, one, two, three.
78:50
Musik
79:05
Und eine Woche später war schon die Hochzeit. Alles ging wie am Schnürchen. Jones hatte die Erlaubnis erhalten, zur Feier des Tages bereits eine Stunde früher zu erscheinen und Punkt 12 Uhr trat dann die Band in Aktion. Buddy hatte sogar einen speziellen Hochzeitsschlager komponiert, zum Andenken an die Pfarrstochter Sylvia Hamilton Jones.
79:28
Musik Gute Nacht, Hilvia! Gute Nacht, Hilvia!
79:51
Oh nein, nein, aber das gibt es doch nicht einmal in England. Und ausgerechnet Good Night Sylvia, der Satz, den vorhin einer in den Äther gehustet hat. Das ist doch vorsätzlicher Ult.
80:02
Entschuldigung, darf ich fragen, was mit Ihrem berühmten Bruder Herbert passiert ist?
80:07
Das ist doch ganz klar. Herbert ist der Mann, der Jones geheiratet hat.
80:13
Was? Es gibt ja schließlich eine Menge Männer, die Gespänkster als Frauen haben.
80:18
Und hat er denn das nie bemerkt? Doch natürlich, er wusste es ja. Aber es scheint ihn nicht weiter zu stören, schließlich ist er Engländer. Ja, aber ich meine, wie findet er sich denn mit den anderen dreien zurecht? Oh, sehr gut. Er spielt in der Band. Tuba, wissen Sie?
80:35
Du bist großartig.
80:44
Schade, dass du mir die Geschichte nicht schon früher erzählt hast. Ich hätte sie glatt in die Sendung eingebaut.
80:48
Ich habe sie leider erst vorhin erfunden.
80:50
Ich bin Ihnen direkt zu Dank verpflichtet, Silvia. Jetzt getraue ich mich vielleicht sogar, mich nachher von Herbert nach Hause begleiten zu lassen.
80:59
Apropos Herbert. Wo ist er eigentlich?
81:03
Wieso?
81:04
Weil er nicht mehr da ist. Oder bin ich plötzlich farbenblind? Patsächlich.
81:09
Herbert!
81:11
Herbert, wo bist du? Er hat sich doch nur versteckt und will uns etwas vorgeistern. Ach, immer dieses Scherz! Jetzt war es gerade so lustig!
81:20
Ich bin sogar verschrecken. Was heisst verschrecken? Gott sei Dank können wir endlich Gave aufnehmen. Joe, hast du gerne Sische mehr auf dem Lautsprecher?
81:29
Nein, es ist ganz plötzlich still worden. Ich weiss nicht, woher es gelegen ist.
81:32
Ja nun, der Hauptsache ist, dass wir hören können. Ach, aber jetzt ist der Herbert nicht totes. Vielleicht ist er nur schnell gegangen. Ich soll ihn holen? Nein, nein, nein, sonst verlieren wir noch mehr Zeit. Ich werde schon wieder auftauchen.
81:45
Ja, was machen wir jetzt? Füllen wir halt mit der Absage an. Also Achtung, bitte Ruhe, Schlussmusik und Absage. Los!
81:53
Good night, Sylvia.
82:03
Liebe Hörerinnen und Hörer, das war unsere Sendung «Verzähl du das im Fährima».
82:12
Die Tunnelgeschichte schrieb Erwin Roth, die Jagdszene aus Afrika Otto Lehmann, das Erlebnis aus dem Militärdienst Hans Häser und die englische Gespenstergeschichte und die Rahmenhandlung Hans Hausmann. Die Musik komponierte Hans Möckel.
82:31
Es wirkten mit ...
83:01
Regie führte Hans Hausmann.
83:22
Herr Bert. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, dass ich heute überhaupt nicht zur Aufnahme erschienen bin. Ich hatte es vollkommen vergessen.
83:37
Susanne, worüber ich sehr schmunzeln musste beim erneuten Hören dieser Folge. Ich kenne die ja wirklich schon ganz gut. Auch in Bezug auf unseren Krimi-Podcast. Ich dichte die ja so gern in meinen Anmoderationen Hintergründe an. Ach, sag.
83:54
Erscheinungsbilder.
83:55
Erscheinungsbilder. Andere Charakterfacetten, die vielleicht die Hörerschaft draußen bis dahin noch nicht kannte.
84:02
Also eben, sie war eigentlich ursprünglich, eigentlich heißt sie Susanne oder sie war ursprünglich, ich weiß auch nicht.
84:06
Komponiert sich.
84:07
Komponiert sich darin in Australien in einem früheren Leben, also bevor sie beim Hörspiel angefangen hat. Und ich finde wirklich extrem lustig bei der Folge, dass einer um die andere sagt, ja, ich bin gar nicht der Max, eigentlich bin ich der Walter und war mal baumischen hier in Amerika. Oder ich habe eigentlich meine Kindheit im schottischen Schloss verbracht.
84:32
Ich finde das immer extrem amüsant. Also ich kann es ein Stück weit nachvollziehen. Bei Grauen haben wir auch immer wieder das Problem oder die Herausforderung, dass ja alles unseren Figuren passiert sein soll, was sie da erzählen. Und dann muss man halt eben schon immer ein bisschen schauen. Ich will ja auch nicht, dass alles immer nur in Grauen Der Schweiz spielt im Jetzt und gerne auch mal vielleicht in anderen Gegenden der Welt oder in anderen Zeiten. Da muss man ein bisschen schauen, wie man da gute Wege findet, wie sowas geht.
85:05
Und das hier ist wie quasi die Abkürzung zu sagen, ich war früher jemand anders. Das finde ich super, sehr amüsant.
85:12
Ja, sie bedienen das ja dann auch nicht wirklich weiter. Also ich meine, Herbert ist eigentlich Amerikaner und man hört das nicht vollkommen aus. Er hat sogar den Namen geändert. Ich finde es halt dann lustig, weil sie treten auf und das spielen sie ja auch so. Sie stehen da um das Mikrofon drumherum und kennen sich eigentlich schon gut. Ach, die Geschichte hast du schon tausendmal erzählt und ihr seid so eine eingeschworene Schauspielerbande. Und dann können sie sich aber quasi mit solchen krassen Biografien überraschen. Dann sind sie doch nicht so aufmerksam.
85:43
Passt aber auch zu manchen Schauspielern. Kann man mal zugestehen. Die kann man manchmal noch überraschen. Wollen wir die Geschichten einmal kurz anschauen?
85:51
Ja, gerne.
85:52
Weil ich finde die erste, finde ich insoweit, habe ich mich gefreut, dass die Hörer die an diese Tradition dieser Gruben- und Tunnelhörspiele anschließt. Also Situationen benutzen, in der Dunkelheit einfach die Handelnden schon zwingt, sich aufs Gehör zu verlassen.
86:09
Also Danger zum Beispiel, so als der Hörspielklassiker. Genau. Menschen sind in der Grube eingeschlossen. Genau.
86:14
Genau. Dafür hätten sie ein bisschen mehr Steinschläge und sowas im Geräuscharchiv haben können. Das ist ja hier doch ein bisschen schwach auf der Brust. Weil ich denke ja, der Postmeister, oder ich soll ja in dem Moment denken, dass er davon erschlagen ist, oder? Auch wenn Herbert das gar nicht thematisiert, der sagt, denkt ja immer nur, es ist ein Scherz, dass er jetzt weg ist. Und hat er vorher gesagt, dass er auch einen Revolver mit in die Höhle nimmt? dass er auf ihn schießt. Also er zählt auf, was der Postmeister alles mitbringt. Batterien und Lampen und in Anführungszeichen Proviant.
86:46
Aber dass er selber eine Pistole, die hat man halt einfach damals als Vermessungsingenieur dabei.
86:51
Ich denke schon. Ich meine, es ist ja schon auch spannend. Es spielt ja trotzdem allein schon in der Zeit eben das Hörspiel ist von 1956.
87:04
56, 70 Jahre alt. Wenn der das jetzt im frühen Leben gemacht hat, dann muss er vielleicht da, Schauspieler ist vielleicht 40 oder so, sagen wir im besten Fall 50. Dann muss er das ja in den 20ern USA gemacht haben. Und ich finde aber, die Welt, die da heraufbeschworen wird mit diesen Zügen, klar, die Gleise wurden schon wieder weggenommen, weil es nicht funktioniert. Aber das klingt eigentlich auch wirklich nach wilden Westen. 1860, ne? Ja, gefügelt, genau. Das ist ja schon noch... Und vielleicht hatte man 1860 einfach einen Evolver dabei. Aber es ist schon spannend, es geht wie immer noch ein paar Jahrzehnte zurück, dieses Salon und alles da, das klingt schon sehr nach Geisterstadt.
87:40
Sag mal, und hast du das auch so verstanden, dass der allererste Postmeister, wo die Frau ihm immer noch einen Blumenstock hinstellt, dass der seinen Tod auch vorgetäuscht hat? Oder fährt er da mit einem Geist?
87:52
Ich habe das so verstanden, aber ganz, ich war auch etwas verwirrt, ehrlich gesagt.
87:56
Aber er sagt ja, in dem Tunnel finden sie nichts, aber ich habe da meine Freiheit gefunden. Das könnte ein Geist sagen, das könnte aber auch ein unterdrückter Ehemann sagen. Weißt du, was ich meine? Der seinen Tod vortäuscht und dann irgendwo frei neu anfängt.
88:12
Ich dachte jetzt so, das Man Cave, wie man so sagt. Das Männerzimmer im Keller, das sei dann gerade in der alten Mine.
88:19
Nein, ich dachte, dass auch er, alle Postmeister neigen dazu, ihre Tode vorzutäuschen.
88:25
Bester Postmeister-Tradition. Ja. Aber ich finde da, auch wenn der Weg so ganz leicht holprig ist in diese andere Zeiten, in die andere Welt, finde ich den Abstecher noch lohnenswert. Es ist nicht lustig, eine Gruselgeschichte in dieser Welt da zu machen. Wie du sagst, man kennt das ja auch aus Filmen und so weiter, aus Comics, aus Geschichten. Und das finde ich irgendwie noch so eine Gruselgeschichte.
88:55
Grusel oder Grauenwelt da mal abzubilden.
88:58
Ich liebe einfach Schreie, die eigentlich über Pegel sind, die immer so reißen, wenn man es hört. Aber das hat eben eine Drastik, das lässt die Techniker heutzutage lassen, das gar nicht mehr zu. Und Technikerin, da wird das Mikrofon immer vorher zurückgefahren, sodass der Schrei sauber und ordentlich eingefangen wird. Aber genau dieses Eruptive im Ohr Aber wenn es so zerrt, zeigt dir immer, dass es ein älteres Hörspiel ist und ich mag die noch. Gerade wenn er da im Turnhöhre so schreit, in dieser heilenden Welt.
89:28
Stimmt, das ist das, was dir beim Einsturz gefehlt hat. Genau. Hat der Schrei gemacht, was man heute nicht mehr so bringen könnte. Du hast recht.
89:35
Okay, ausgesehen.
89:37
Gut, die zweite Geschichte.
89:38
Ja, mit der bin ich nicht so ausgesöhnt. Also klar, weißt du wieder vom Setting, ihr wisst es ja und deswegen wissen wir auch, dass ihr bewusst hört, wenn halt ein erwachsener Mann als Boy bezeichnet wird und so ein ganzer Kontinent gleichmachend als exotischer Ausflugsjagdort dargestellt wird, auf der anderen Seite aber dann bewohnt von Menschen, mit denen man sich nicht wirklich auseinandersetzt. Ja.
90:03
Ja, stehen wir woanders. Aber ich finde auch der Ausgang der Geschichte, die eigentlich so viel schönes Potenzial hat, ist ein bisschen schwach dann am Schluss. Oder habe ich was falsch verstanden? Es ist doch schon so, dass der Niederländer den Löwen erschießt und dass sie halt ihren Freund noch lebendig gesehen hat in der Entfernung beim Man-Eater. Da habe ich mich übrigens gefreut. Obwohl er eigentlich schon seit Stunden tot ist.
90:30
Ja, ich war da auch etwas halb enttäuscht, halb ratlos zurückgelassen. Genau, das ist der ganze, ganz übernatürliche. Gut, dieser Löwe, der scheint ja schon noch nicht ganz, ganz normal zu sein und einfach eine sehr grausame und sehr starke Bestie sozusagen. Ja.
90:51
Aber ja, dass es einfach nur so eine kurze Geistererscheinung gibt vom eigentlich schon toten Mann, aber der dann auch gar nichts macht, der taucht nur kurz auf. Ich finde das, was schon quasi gut erzählt wird, wenn es auch sehr unangenehm ist, ist ja genau, wie der andere Mann wirklich da so zudringlich wird und aufdringlich in seinem Fieber dann noch. Und einfach findet, ja, du gehörst jetzt mir. Also das ist ja schlimm, aber finde ich gut dargestellt. Und irgendwie hätte man doch erwartet.
91:21
Dass der Geist vielleicht diesen Nebenwohler noch aus dem Grab heraus beseitigt.
91:27
Zum Beispiel, genau. Und vielleicht hätte sogar der Löwe dann weggekonnt, lebendig.
91:33
Und das Problem war von Anfang an der Nebenbuhler oder was auch immer. Also die eigentliche Bestie ist ja der Nebenbuhler, nicht der Löwe, finde ich jetzt in der Geschichte. Und da, ja, ich finde, da ist ein bisschen was liegen geblieben tatsächlich in der Geschichte. Oder man hätte machen können, der Nebenbuhler hat dann doch ihren Freund, ihren Liebhaber umgebracht und dann jagt er dann wieder den Löwe. Genau, genau. Er kommt als Löwe wieder und bringt dann ihn um oder wie auch immer. Da wären auch Hätte jetzt auch nicht viel länger gedauert, nicht viel mehr gebraucht, aber glaube ich auch, hätte man noch mehr rausholen können eigentlich aus diesem, die Konstellation ist, abgesehen von diesem sehr kolonialistischen Setting, ist die Konstellation der handelnden Figuren schon spannend, finde ich, oder hat eigentlich Potenzial.
92:15
Man weiß ja auch nicht, wie Yvonne sich denn nachher aus dieser Situation befreit, alleine und eigentlich bedrängt. Das hört ja einfach vorher auf. Sie hat es wieder geschafft, sie ist ja schließlich im Hörspielstudio und scheint auch wieder gefestigt zu sein.
92:30
Die wird das nächste Schiff genommen an der Schauspielschule angefangen haben.
92:35
vergesse alles. Da hast du gleich eine Begründung, warum sie eben, sie sind in einer Ausnahmeerzählsituation. Das sind alles Punkte, mit denen man nicht weibeln geht mit solchen Geschichten. Deswegen kommen die jetzt erst vor. Und es sind den anderen noch nicht so bekannt.
92:49
Na gut, lief das Band einfach weiter, wenn man warten musste im Hörspielstudio.
92:53
Gott sei Dank, genau.
92:55
Ja, und dann gibt es ja doch meiner Meinung nach eine Premiere, oder? Dass wir dann Feri mal War ja bis anhin immer auf Hochdeutsch, oder? Ja. Also auch wenn der Titel Schweizerdeutsch war, waren die Geschichten und die Sprecherinnen und Sprecher immer... Auf Hochdeutsch, auch wenn es mal einen kleinen Akzent gab. Und jetzt kriegen wir wirklich mit Rudi Walter, der auch ein Stück weit Rudi Walter spielt. Also wir kennen ihn aus Osebius Viterli, man kennt ihn vom Spalberg 77a. Wirklich der Charakterschauspieler seiner Zeit, eine ganz eigene Marke.
93:30
Genau, Pfarrisli, stimmt, hatten wir auch schon. Und ein Stück weit macht er einfach den Walter. In einer anderen Geschichte. Alles auf Mundart. Wir sind in Nidwalden, die Leute haben ja nochmal ihren ganz eigenen Dialekt da. Man kriegt auch eine Schweizer, nicht gerade eine Saga, aber doch, was die Schweizer Sagen anklingen lässt. Und gleichzeitig diesen Kontrast zum Humor, für den ja der Walter steht, allein mit seiner Spielweise. Der Dialog ist eine ganz andere Welt auf einmal.
93:54
Ja, so ein bisschen...
93:58
Helmut Qualtinger liest Schwaig, da könnte diese Geschichte auch gut mit reinpassen, zumindest in dieses Figuren-Kuriositäten-Kabinett, die sie ja auch so breit erzählt. Also weißt du, solche Details wie die beiden da schnarchen oder sowas. Oder überhaupt, wie sie sagen, also eben Nesch, da wird es ja geben und komm, wir horchen am Kissen. Also alles das, was jetzt eigentlich einem Grusel, einem Schrecken abträglich ist, wird da ja zelebriert. Geht ja sehr um sein komisches Talent auch. Aber dass es auf Mondart ist, ist einfach, glaube ich, dieser Grundsituation geschildert, ohne dass sie speziell sagen, wir sind hier im Basler Studio, ist das ja bei allen klar.
94:33
Und wenn der Regisseur, der echte und der echte Techniker mitspielen, durch die beiden auch ein bisschen gesetzt, dass man off the record eben seine reale Alltagssprache spricht und dann darf auch der Ruedi Walter sprechen. auf Mundart sprechen und die deutschen Schauspieler, das wird ja dann auch genauso thematisiert. Ihr Schweizer habt ja quasi keine richtigen Gruselgeschichten. Oder jetzt erzähl doch mal, wird diese Diskrepanz zwischen Hochdeutsch und Mundart ja ganz bewusst angesprochen.
95:04
Ja, ich finde, das ist eine schöne Folge. Es ist eben, wenn ich da die beiden betrunkenen Lölis so sehe, nimmt mir das halt...
95:15
Ich sorge mich nicht wirklich um sie.
95:18
Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass einer von ihnen... Gut, bei Kompagnons weiß man das immer nicht, wenn jemand begleitet wird von einem anderen. Eben.
95:26
Das ist genau die Möglichkeit, wo du das Dauerproblem, was wir bei Grauen haben, dass der, der die Geschichte erzählt, noch am Leben sein muss, um sie erzählen zu können und gleichzeitig musst du Gefahr darstellen. Und da ist eben so eine Gefährte eigentlich immer ganz gut, weil die kann man dann umbringen. Stimmt. Oder sterben lassen durch die Gefahr der Geschichte.
95:46
Aber was die Geschichte eigentlich gut macht, ist, sie hat eine kontinuierliche Steigerung. Also das ist schon alleine ein Haus am Walzrand, wo niemand mehr hingeht, ist schon ein gutes Setting. Und dann, was sie in der ersten Nacht erleben und dass es dann nochmal getoppt wird. Sie sehen ja auch zwischendurch, da sagt er, da steht einer, zum ersten Mal eintreten und danach ist es nur ein Mantel. Aber solche Elemente baut es halt schön, es geht immer noch eins on top.
96:15
Das funktioniert.
96:16
Total. Und sie fordern ja das Schicksal heraus quasi oder den Geister, der nicht ruhen kann. Und das passt dann vielleicht auch wieder ganz gut zu diesem übertreten, alkoholseligen Stimmung der beiden Kerlstar. Die finden, ja, ja, aber es kann uns schon jemand antun. Und ich finde auch so Details ganz schön, wie in der zweiten Nacht, wo ist der Karabiner? Ja, bis dahin geheißen, was soll denn das bringen? So Sachen auch ganz schön benannt.
96:47
Deswegen eigentlich doch, finde ich, einen ganz hübschen Ausflug in die Schweizer Sagenwelt und auch in die Schweiz der 50er Jahre. Ja.
96:58
Gut, und dann kommt nochmal was ganz Schräges zum Schluss, oder?
97:02
Ich glaube, Hans Möckel hatte Geburtstag oder hat mal eingefordert, dass er sein Können noch ein bisschen breiter ausspielen kann. Das ist eine sehr musikalische Geschichte.
97:14
Entschuldige, ich wollte es nicht Punkt sagen. Ich bin nochmal so zum Einstieg. Was wir jetzt eben dann doch gerade bei der Geschichte davor, finde ich, glaubhaft hatten. Schweizer Männer gehen ins Militär, haben einen Wiederholungskurs.
97:27
So, ich finde, das kann man irgendwie gut mitgehen, auch der Schaufibler hatte das. Jetzt sind wir wieder, nicht gerade bei meinem früheren Leben war ich ein amerikanischer Bauingenieur, aber ja, ich bin auf den britischen Inseln, quasi in einem Gruselschloss groß geworden. Würde ich schon als Einstieg ein bisschen, ja, aber gut, man hat sich schon gewöhnt, dass so Geschichten sind.
97:51
Ja, ich finde, man muss einfach bei der gut mitgehen, auch wenn wir dann die vier Geister haben, diese Geisterband. Ich denke, da von der Bildwelt bin ich eigentlich schon sehr so bei...
98:02
Zeichentrickserien, das gibt es, oder? Also die Geister, die Musik machen oder auch so Skelette, die Musik machen auf den eigenen Knochen.
98:07
Ja, aber es ist genauso, sehe ich es auch. Die erste Tricktechnik im Film.
98:11
Ja.
98:11
Realistischer Hintergrund, aber dann Geistern durchs Bild eben so Comicfiguren getestet.
98:17
Also wir hatten das auch mal als, ich habe genau mal dafür ein Bild rausgesucht für einen Krimi-Podcast, für eine Gruselfolge.
98:23
Das waren so eine der bekanntesten frühen Zeichentrickfilme, eben die Geister, die aus dem Grab rauskommen und tanzen und auf ihren Knochen Musik spielen. Das ist eigentlich sehr typisch. Und da bin ich schon drin, auch mit den verstellten Stimmen und so. Ich finde, das stellt sich für mich gut her. Ich weiß nicht, wie es dir mit den verstellten Stimmen ging, ob es dir ein bisschen zu albern war. Ja, also ich diskutiere das nicht so.
98:47
Ihr habt in der Donjon-Folge, ich weiß nicht, ob ihr alle das schon nachgehört habt, aber da gibt es auch eine Folge, die spielt im Totenreich. Und da gehen aber auch Geisterkinder in die Schule und dafür stellen auch die Spielenden ihre Stimme. Ich weiß nicht, da habe ich das total genossen.
99:06
Lass mich mal drüber nachdenken bis zum nächsten Mal, was der Unterschied ist zu hier. Ja.
99:13
Für mich ging es gut. Ich finde, in den Geschichten, die wir jetzt davor gehört haben in dieser Episode, war immer die Frage, ist das wirklich ein Geist oder ein echter Mensch? Also die Geister mussten möglichst menschlich da kommen. Und da wir hier eh in der Gespenster-Jazzband sind, finde ich es auch okay, von vornherein zu markieren, okay, das sind jetzt die lustigen, blauen, transparenten, fliegenden Wesen.
99:37
die Musik machen. Aber es hat vielleicht auch mit der Länge zu tun. Ich bin insgesamt diese letzte Episode ein bisschen zu lang. Mir hätte die, glaube ich, auch in fünf Minuten gereicht. Ich finde es schön, wie sie Musik machen dann mit dem Cembalo, das ein bisschen nach Jazz klingt und so. Mir gefällt das. Aber der ganze Aufbau und dann noch mit Hochzeitsgesellschaft und fast nicht alles, ich glaube, hätte das fünf, sechs Minuten gereicht und dann, glaube ich, auch die Geister nicht ganz so ausgestellt gewesen.
100:02
Es gibt irgendwie kein richtiges Gefälle, keine Diskrepanz dadurch, dass das Geschwisterpaar auch so vernaht ist in Geister und die auch schon wie so Haustierchen behandelt einschätzen kann und sich so freut auf die. Also entweder hätten dann die Geister wirklich...
100:18
schlechter sein müssen mit ganz absurden Plänen oder du zeichnest am Anfang die ganz riesengroß und angsterfüllend und dann entpuppen sie sich als so niedliche weiße Wollknäuel. Ja, so ist es halt ein bisschen spannungsarm. Dafür hat mich die Schlussfolgerung und hat mich dann wieder gefreut. Ich bin, glaube ich, ein Fan von diesen Rahmenhandlungen.
100:40
Also vom Good Night Silver Jahr?
100:42
Nein, auch wenn es noch so schön gesprochen ist.
100:45
Ich fand es schön gesprochen, ja. Mir gefällt der kleine Satz.
100:48
Du hast es vorhin schon gesagt, ich dachte jetzt gerade, es sagt einer im Stück. Nee, die meine ich nicht, sondern wenn Herbert am Schluss nochmal kommt, weil das wird wirklich am Anfang, wird ja auch gesagt, der vergisst ja alles und wenn er diese Geschichte genauso erzählen kann, muss was wahres dran sein und dass er am Schluss wirklich kommt und sagt, ich habe diesen Termin vergessen, super.
101:07
Schöner Schlusstil. Ich glaube, der macht auch Spaß, wenn man, wie am Anfang auch wieder, wenn man selber Hörspiel macht. Ich muss da zum Beispiel in Situationen denken, wo man ein sehr verdienter Schauspieler bei uns extra aus Zürich gekommen ist für eine Aufnahme und extra früh, damit er auch ja nichts verpasst. Einfach den ganzen, dann nochmal kurz ein Nickerchen gemacht hat, um Weil ihm so früh losgefahren ist. Und dann schluss ich den ganzen Aufnahmetermin. Also wirklich, der hat dann wieder bis nachmittags um eins geschlafen, einfach im Auto vorm Hirschbistudio in Basel.
101:41
Nein. Da muss ich jetzt gerade wieder dran denken, wo es gar nicht so unrealistisch ist. Ich habe das dann eben genau erlebt.
101:46
Ihr habt ihn nicht gesucht?
101:48
Wir haben ihn versucht anzurufen, wir sind aber nicht ans Handy gegangen. Also es gab schon Handyzeiten, aber wir wussten ja nicht, wie der kommt und wann der kommt. Und er saß einfach die ganze Zeit eben.
101:56
Schlafend im Auto.
101:57
Schlafend im Auto da, vor dem Hörspielstudio, dem alten Bruder Holz. Wir haben ihn unten im Keller aufgenommen.
102:02
Wir haben dann halt seine Szene ohne ihn aufgenommen und ihn danach dann extra, was auch nicht ganz einfach war, weil auch schon ein bisschen älter war der Schauspieler.
102:13
Aber toller Typ und unglaublich gute Arbeit. Man konnte ihm auch gar nicht böse sein, weil er wollte ja alles richtig machen. Und das Tragische ist ja diese Tragödiendefinition, wenn man alles richtig machen will und gerade deswegen dann scheitert. Und ich glaube, das war so ein Fall extra für losgefahren, um ja nicht zu spät zu sein und dann so müde, dass man noch den ganzen Aufnahmetermin verschläft.
102:39
Es menschelt im Beispiel.
102:41
Oder? Es menschelt und geistert. Jetzt haben wir wirklich ausführlich die Ferima-Folge hier besprochen. Den Titel steht, erzählte das dem Ferima 5, Ja, wenn Sie jetzt archivarisch ganz genau nehmen, Susanne, stimmt das nicht hundertprozentig, oder?
103:00
Ja, bevor ihr uns schreibt, weil ihr genau gemerkt habt, Moment, die Folge ist aus dem Februar 56, davor war aus dem Frühjahr 55. Wo ist denn die aus dem Herbst 55?
103:12
Also da können wir wirklich ganz offen sagen, wir haben uns entschieden, die nicht zu bringen. Die Folge gibt's, wir haben sie auch gehört und fanden jetzt aus. Aus publizistischen Gründen machen wir nicht. Und die publizistischen Gründe haben so vielleicht zwei Dimensionen. Das eine, wir haben ja schon jetzt drüber gesprochen, bei der Folge hier, wir haben einen sehr kolonialistischen Blick. Heute gehört er auf Afrika mit dieser Safari, mit der Löwenjagd. Und das ist bei der anderen Folge, sozusagen der echten fünften Folge aus dem Herbst, quasi noch gravierender, oder?
103:43
Ja, das ist eine Geschichte, die spielt in den Anden und Anden. Ich meine eben, wir schauen doch, ihr seht es ja, welche Sachen wir ausspielen, wann wir wie, kommentieren, wir besprechen das ja oft. Also wo liegt unsere Messlatte und was wollen wir auch, also was wissen wir auch. Das kann man mit einer Kommentierung trotzdem so senden und vor allen Dingen dann, wenn es von Figuren innerhalb von Hörspielen selber thematisiert wird zum Beispiel. Und das hat in dieser Anden-Folge Null stattgefunden und ehrlich gesagt ist sie auch nicht sehr unterhaltsam.
104:14
Genau, das ist wieder an der Grund. Der eine, der publizistisch ist, das ist wirklich einfach rassistisch. Rassismus ist immer dumm, das ist wirklich auf eine sehr dumme, plumpe Art. Wo wir finden, das möchten wir so dann wirklich nicht mehr reproduzieren. Und das andere, es kommt wirklich auch qualitativ. Du hast gesagt, es ist einfach keine gute Ferima-Folge, es ist ein richtiger Durchhänger, auch in den Storys, die...
104:38
Da gibt es drei Episoden.
104:39
Irgendwie sind nur drei Geschichten.
104:40
Genau, die in den Anden ist sehr wichtig, sehr groß, aber auch die anderen beiden sind wirklich einfach nicht gut. Und ja, das ist ein Entscheid, den wir auch sonst immer wieder bei Hörspielen, ehrlich gesagt, fällen. Wir bringen nicht einfach alles, was wir in dem Archiv haben, für unsere Arbeit, euch die besten und tollsten Hörspiele von früher und von heute zu präsentieren. Und auch da fallen immer wieder welche einfach durch und sagen, nee, das ist einfach nicht mehr gut genug. Das will eigentlich wahrscheinlich niemand so hören.
105:04
Also glaubt uns, ihr habt nichts verpasst. Wir wollten das nur aus Transparenzgründen offenlegen. Für alle, die jetzt sagen, aber Wolfram, Susanne, ich muss die vollständig haben. Ihr habt angekündigt, ihr holt alle aus dem Archiv hervor. Bei wem das so ist, schreibt uns doch krimi.srf.ch und dann schauen wir.
105:24
Genau. In einem Monat wieder gibt es einen Vollmond und dann wieder einen neuen alten Ferimer. Und gerade diesen Donnerstag schon den nächsten Krimi. Bis zum nächsten Mod. Macht's gut.
105:50
Das war ein Podcast von SRF.
105:52
Produziert im Auftrag der SRG.